Graz/Turku. Schwarze Löcher im All sind Orte der Extreme. In ihnen ist die Materie so stark zusammengepresst, dass ihrer Anziehungskraft nichts entkommt. Sterne, die in ihren Sog geraten, werden regelrecht geschreddert. Einblick in die Entwicklung eines sogenannten gezeitenbedingten Zerstörungsereignisses (TDE) haben nun internationale Forscher bekommen.

TDE basieren im Prinzip auf der gleichen Ursache wie Gezeiten. Die Gravitationskraft des Mondes zerrt an der dem Mond nähergelegenen Seite an der Materie des Planeten und das Wasser folgt dieser Mondgravitation, während sich das Wasser auf der anderen Seite der Erde vom Mond wegbewegt. Kommt ein Stern einem supermassigen Schwarzen Loch zu nahe, wird er durch die gewaltigen Gezeitenkräfte allerdings buchstäblich zerfetzt.

Zehn Jahre Beobachtung

Auf der Suche nach Supernovae im Jahr 2005 entdeckte das Team um den finnischen Weltraumforscher Seppo Mattila von der University of Turku ein schwaches vorübergehendes Nah-Infrarotsignal in einem Paar kollidierender Galaxien namens Arp299. Die Forscher vermuteten zuerst, dass sich mit dieser Quelle eine extrem energetische Supernova oder ein TDE rund um ein Schwarzes Loch bemerkbar macht.

Zehn weitere Jahre haben die Astronomen diese Signalquelle aus der Galaxie weiter beobachtet. Dabei offenbarten sich schlüssige Details, die auf die gewaltsame Begegnung zwischen einem Stern und einem extrem massereichen Schwarzen Loch, das etwa 20 Millionen mal massiver als die Sonne ist, schließen lassen. Der beobachtete Sternentod dürfte sich rund 150 Lichtjahre von der Erde entfernt abgespielt haben. Ein Teil der Materie des zerstörten Sterns wurde wieder zurück ins All geschleudert, wie die Wissenschafter im Fachmagazin "Science" berichten.