Die Wahrheit ist irgendwo da - unten. Irgendwo in den rund 1,338 Milliarden Kubikkilometern des Meers verbirgt sich die Entscheidung, ob der Urzeit-Riesenhai Megalodon bis heute überlebt hat oder nicht. Geht es nach Bücherschreibern, Filmemachern und Monstermanen lautet die Antwort: ja. Nachdem, zugeben, "Shark Attack 3 - Megalodon" der reine Trash war, der selbst einer Sprotte die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte, lässt in den USA jetzt "Meg" die Kinokassen klingeln und bei uns setzt John Turteltaubs Fantasythriller nach Steve Altens Romanserie gerade dazu an.

Einer der Meeresbiologen, die von der gegenwärtigen Existenz des Megalodon überzeugt sind, ist Collin Drake. Nachdem er bereits 2013 auf dem Doku-TV-Sender Discovery Channel anlässlich der "Shark Week" des Kanals erste Beweise vorgelegt hatte, reichte er im selben Kanal unlängst weitere nach, die alles zugunsten des Megalodon geklärt haben sollten . . .

. . . wäre nicht die Doku in Wahrheit eine Mocku, nämlich eine Mockumentary, also eine Fake-Doku.

Verderbliche Einkindpolitik

Andererseits: Da wären immerhin der Quastenflosser, der Riesenkalmar und sogar ein (relativ) neuzeitlicher Verwandter des Megalodon, der Riesenmaulhai. Alles nur Statistik-Ausreißer? - Mitnichten: Im Durchschnitt sind es bis zu vier neue Arten pro Tag, die in den Ozeanen entdeckt werden. Warum sollte da nicht einmal auch der Megalodon darunter sein?

Aber da gibt es noch Nessie, und sie verdirbt die schönsten Urzeithaiträumereien.

Was sagt der Fall der berühmtesten Seebewohnerin Schottlands über megalodontische Hochseeumtriebe aus? - Nun: Selbst der Nessiegläubigste wird sein Idol weder für einen Rüsselkäfer noch für einen Wasserfloh halten. Diese und ein paar andere Tiere können sich nämlich durch Parthenogenese vermehren, also Nachwuchs ohne Zeugungsakt hervorbringen. Sollte Nessie nicht ein paar Millionen Jahre auf dem Buckel haben, was eher unwahrscheinlich ist, braucht sie also einen Geschlechtspartner. Wobei eine lochnessische Einkindpolitik den Bestand der Familie Ness unmöglich über Jahrmillionen hinweg zu sichern vermag. Heißt: Entweder gibt es eine nennenswerte Plesiosaurus-Population im Loch, oder Nessie ist ein tourismusmagnetischer Hoax. Ein hinreichend dichtes Plesiosaurus-Vorkommen in einem gerade einmal 56,4 Quadratkilometer großen Binnengewässer würde freilich laufend zu nachweisbaren Sichtungen führen. Damit ist, grauenhafter Gedanke für uns alle, aber befürchtetermaßen die größere Wahrscheinlichkeit, Nessie ein Schwindel.