Damit zurück zum Megalodon: Ein Hai allein ist nicht genug. Zur Erhaltung der Art über Jahrmillionen hinweg müsste eine ausreichende Megalodon-Population im Meer leben. Und dann gibt keinen einzigen tauglichen Beweis?

Gewiss, das Meer ist erheblich größer und tiefer als der Loch Ness. Obendrein mag der Megalodontophile anführen, dass dieser Hai, wie alle seiner Art, ein Knorpelfisch ist und daher schnell verwest, weshalb, anders als bei Walen, wohl keine Megalodon-Kadaver an den Küsten angespült werden. Wegen des schnellen Verwesungsprozesses können die Paläontologen auch einzig und allein aufgrund der häufigen Zahn- und einiger weniger Wirbelfunde Rückschlüsse auf die Größe des Tieres ziehen: Die bis zu 18 Zentimeter langen Beißer, aufgrund derer er mit der griechischen Bezeichnung für "großer Zahn" benannt wurde, lassen, über die Größenverhältnisse des wahrscheinlich relativ nahen Verwandten, des Weißen Hais, gepeilt, auf eine Megalodon-Länge von bis zu etwa 18 Meter schließen. Zum Vergleich: Der Weiße Hai erreicht etwa 4 bis 7 Meter Länge.

Fehlende Beweise

Dennoch: Dass sich in Jahrhunderten der Seefahrt nichts, absolut nichts Greifbares über einen allfällig quicklebendig im Ozean flösselnden Megalodon verifizieren lässt - das macht skeptisch. Es gibt nicht einmal Seemannsgarn über ihn, das als Halbbeweis taugen könnte: Seeschlangen (hinter denen Riemenfische stecken könnten), Riesenkraken (die als Riesenkalmar mittlerweile nachgewiesen sind) und Monsterwellen (die jetzt als Freak Waves ebenfalls bewiesen sind), Geisterschiffe und Schiffsgeister (für die es viele Erklärungen gibt), das ist der Stoff, aus dem die Seeleute ihr Garn spinnen - und gewiss auch aus Haiangriffen auf Schiffbrüchige. Nur selbst in diesen Fällen erzählen sie nicht von monströsen Haien. Auch die angeblichen Foto- und Videoclip-Beweise, die derzeit immer öfter auftauchen, sagen überhaupt nichts aus: Die wenigen, die nicht von vorneherein nach absichtsvollem Fake aussehen, zeigen wohl Haie, aber ohne jeglichen Größenvergleich. Ein Schatten unter der Meeresoberfläche - das kann ein drei Meter langes Tier sein oder ein sechs Meter langes, oder, ja, auch ein achtzehn Meter langes. Wer wollte das festsetzen, ohne zumindest ein Boot zum Vergleich zu haben?

So spricht alles gegen einen heute lebenden Megalodon.

Doch da ist eben auch noch der Quastenflosser . . .

Seit 65 Millionen Jahren sei er ausgestorben, hieß es. Nur den Quastenflossern vor der südafrikanischen Küste hat man vergessen mitzuteilen, dass auch sie, wie ihre anderen neun Familien, auszusterben haben, um nicht das Weltbild der Paläontologen zu stören. 1938 gab es dann den sogenannten Lazarus-Effekt: Die als ausgestorben geltende Art erlebte sozusagen eine Auferstehung. Latimeria chalumnae, benannt nach seiner Entdeckerin, der südafrikanischen Amateurbiologin Marjorie Courtenay-Latimer, lebt und vermehrt sich. Wohl gibt es nämlich etliche Fälle anderer Lazarus-Effekte, etwa die Banggai-Krähe, den Jamaika-Leguan oder den Israelischen Scheibenzüngler, doch in allen diesen Fällen handelt es sich um Tierarten, die in der Neuzeit noch gesichtet worden waren. Ausgestorben seit Millionen Jahren und doch am Leben - das gibt es bisher nur im Ozean, in dem ohnedies alles möglich scheint.