Auch kleine Delfine werden kurz an Land geholt, um Daten aufnehmen zu können. - © Lichterbeck
Auch kleine Delfine werden kurz an Land geholt, um Daten aufnehmen zu können. - © Lichterbeck

Unterdessen hat die Veterinärin drei Spritzen mit Betäubungsmittel in die Rückenflosse gepresst. "Man kriegt das Zeug kaum rein, so fest ist das Gewebe", sagt sie. Per Akkubohrer wird nun ein Loch in die Flosse gebohrt und Trujillo schraubt den GPS-Sender daran fest. Ab seiner Aktivierung wird er 280 Tage lang Koordinaten senden.

Für die Delfinkuh ist die Prozedur nun vorbei. Sie wird noch gewogen (180 Kilo!) und zurück zum Fluss gebracht. Da rufen die Fischer, die Trujillo engagiert hat. In ihrem Netz befindet sich ein zweiter, kleinerer Delfin. Trujillo entscheidet, ihn an Land zu holen, um die Daten aufzunehmen. "Wahrscheinlich ist es das Junge der Kuh", sagt er.

Die Arbeit muss schnell vonstattengehen, weil das Tier eine Minute lang nicht atmet und ängstlich quiekt. Bis Trujillo entscheidet, die Aktion abzubrechen. Ein Sender ist für Jungtiere ohnehin nicht vorgesehen, weil sie mit ihren Müttern unterwegs sind.

Als das Tier zurück zum Fluss getragen wird, winkt Trujillo einige Kinder herbei, die sich neugierig vom Ufer genähert haben. Sie gehören zu einer der armen Fischerfamilien, die entlang des Flusses leben. Trujillo animiert sie, das Delfinjunge zu berühren.

"Die Fischer", sagt Trujillo, "nennen die Delfine böse Tiere - animales malos -, weil sie ihnen die Netze zerreißen." Das lernten schon die Kinder und kriegen Angst. Das will Trujillo durch den Kontakt ändern.

Später an Bord eines der typischen Langboote, die in der Amazonasregion zum Nahverkehr dienen, erläutert Trujillo die Bedeutung des GPS-Projekts. "Wir wollen sehen, wie sich die Tiere innerhalb des riesigen Stromsystems bewegen", sagt er. Manche Tiere, insbesondere Männchen, könnten in jahrelanger Wanderung 1000 Kilometer zurücklegen.

Delfin-Tourismus

Die Weibchen seien hingegen sesshafter und in Rudeln zusammengeschlossen. Anhand ihrer Aufenthaltsorte möchten Trujillo und der WWF den Regierungen der sieben Amazonas-Anrainer Vorschläge machen, welche Regionen besonders schützenswert seien. "Wo die Delfine sich aufhalten, sind auch viele Fische", sagt er. "Und wo viele Fische sind, ist auch die Flussflora besonders in Ordnung."

Zwar würde er am liebsten ganze Flüsse unter Schutz stellen, aber das sei illusorisch, das mache keine Regierung. Trujillo sieht sich nicht als radikalen Umweltschützer, sondern als Realist. Man müsse den immer mehr Menschen in Amazonien vernünftige Entwicklungsmöglichkeiten geben. Denn letztendlich zerstörten sie durch den Raubbau an der Natur nur sich selbst.

Eine Idee ist der Aufbau eines Delfin-Tourismus. "Nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur arbeiten", nennt Trujillo das. 2007 erhielt er den renommierten Whitley Award, den "Grünen Nobelpreis", und zuletzt war er Protagonist in dem herausragenden Dokumentarfilm "A River Below". Darin geht es um die Schwierigkeiten, mit denen Naturschützer bei dem Versuch zu kämpfen haben, die Interessen von Mensch und Umwelt zu versöhnen.