Außer für ihren Beitrag zu Künsten und Wissenschaften schätzen die Brasilianer Leopoldina, die von ihrem Mann misshandelt worden sein soll und nach einer Fehlgeburt gestorben war, bis heute wegen ihrer Rolle bei der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal 1822. Vor dem Museu Nacional steht eine Statue der österreichischen Kaiserin des Landes, als würde sie dieses bewachen. Im Nationalmuseum warten der Thronsaal und Schriftstücke.

Alexander Kellner lässt die Ankunft der königlichen Familie in Rio de Janeiro am 200. Geburtstag mit Schauspielerinnen und Schauspielern - inklusive portugiesischen und deutschen Akzents und historischen Kostümen - nachstellen und erzählt im Dialog mit ihnen die Geschichte des Museu Nacional. Amüsant wird es, als er erwähnt, dass das Nationalmuseum von 1889 bis 1891 auch die erste Republikanische Verfassunggebende Versammlung beherbergte; von Republik hatten die Monarchinnen und Monarchen noch nie etwas gehört.

Der Festakt findet in dem Raum mit dem 100 Jahre alten Wal statt. Der Saal war, wie Kellners Büro, jahrelang geschlossen - so wie manche Räume des Museums aufgrund des Bauzustands bis heute geschlossen sind und viele Stücke aus dem Bestand nicht gezeigt werden können. Um den Wal wieder ausstellen zu können, hatte das Direktorium eine Crowdfunding-Kampagne gestartet; am Tag vor dem Festakt erreichte sie die gewünschte Marke von 50.000 Reais (Plural von Real, Anm.) umgerechnet rund 11.000 Euro.

Alexander Kellner hat ehrgeizige Ziele. Die Idee ist, das Museum nur noch für Ausstellungen zu nutzen, die Verwaltung und das Depot mit 20 Millionen Stücken in einem benachbarten Gebäude der Quinta da Boa Vista - des Parks, in dem sich das Museu Nacional befindet - unterzubringen. Auf eine Million Zuschauer möchte Kellner bis zum Ende seiner Amtszeit kommen.

Hochkarätige Sponsoren

Zum 200. Geburtstag kündigt er drei neue Ausstellungen mit hochkarätigen Unternehmen wie Petrobras und Vale als Sponsoren an. Ohne diese geht in Rio de Janeiro im Kultur- und Wissenschaftsbetrieb fast nicht mehr, die Stadt und der gleichnamige Bundesstaat sind spätestens seit den Olympischen Spielen 2016 pleite. Unter den Ausstellungen ist auch eine über Mineralien, die "unsere querida, amada, serenissa Imperatriz Leopoldina einschließt". Umso erstaunlicher ist es für Kellner, dass sich aufgrund des direkten Bezugs niemand von der Österreichischen Botschaft in Brasília zum Jubiläum gemeldet hat.

Die Deutschen hätten sich interessiert, die Portugiesen würden ihre Reverenz erweisen. João Henrique de Orléans e Bragança, der berühmteste Nachfahre der imperialen brasilianischen Familie, der 2015 mit Fotografien an der Ausstellung über Leopoldina im Museu de Arte do Rio (MAR) beteiligt war, hat im vergangenen Jahr auch an einer Veranstaltung des Naturhistorischen Museums anlässlich der österreichisch-bayerischen Brasilien-Expedition teilgenommen. Und er schwärmt heute vom einstigen Brasilianischen Museum.