Ein Beispiel?

In den 1970er Jahren wurden immens viele Sulfat-Partikel in die Erdatmosphäre ausgestoßen, was zu einer Abkühlung führte. Heute wäre das zwar für das Klima vorerst einmal gut. Aber wenn Sulfat (Salz der Schwefelsäure, Anm.) mit Wasser reagiert, entsteht saurer Regen. Und genau das war damals das Problem: Verbrennungen von schwefelhaltigen fossilen Brennstoffen (wie Kohle oder Erdölprodukte, Anm.), die als Heiz- und Treibstoffe verwendet werden, führten zum Waldsterben. Durch den Einbau von Filteranlagen konnte man das Problem in den Griff bekommen - eine Erfolgsgeschichte, wegen der wir aber auch ein bisschen weniger Abkühlung haben.

Ist eine partikelfreie Luft ohne Meersalz, Staub oder Ruß überhaupt möglich?

Es gibt Gebiete mit wenig Aerosolen, etwa in der Nähe der Antarktis ist das so von Natur her. Auch wenn es gerade geregnet hat, schweben nur wenige Aerosole in der Luft. In den Städten wiederum gibt es Ruß, der die menschliche Gesundheit schädigt. In jedem Fall stellt sich bei jeder Maßnahme die Frage, was man erreichen will - es gibt nichts umsonst. Wenn ich die Luft reinige, wirkt sich die Erderwärmung noch stärker aus. Aber für die menschliche Gesundheit ist jegliche Entfernung von Partikeln gesund - vor allem die der kleinen, die in die Lunge gehen.

Wozu benötigt die Natur Aerosole?

Sie dienen der Tropfen- und Wolkenbildung. Damit sich ohne Aerosole Wolken bilden, sind Übersättigungen von 400 bis 500 Prozent relativer Feuchtigkeit nötig. Mit Aerosolen entstehen Wolken bei 100 Prozent. In besonders verschmutzten Gebieten sind die Wolken von oben gesehen weißer, weil sie kleinere, aber mehr Tröpfchen haben. Die gleiche Wolke in sauberen Gebieten enthält bei der gleichen Menge Wasser weniger Partikel, die größer sind. Diese Zusammensetzung beeinflusst Strahlung und Niederschlagsbildung. Aus einer Wolke regnet es, wenn die Tropfen zu schwer sind, um durch den Aufwind gehalten zu werden. Kleinere Tropfen fallen bei gleichem Aufwind weniger schnell aus der Wolke und es regnet erst später. Wir nennen das Aerosol-Wolkenwechselwirkung.

Schädliche und nicht schädliche Aerosole: Wo ist die Grenze?

Darauf gibt es keine Antwort, weil es zu jeder Wechselwirkung Feedbacks gibt. Es können sich sogar Emissionen von Natürlichen Aerosolen verändern. Seesalz-Emissionen aus dem Meer sind temperaturabhängig, wodurch sie von der Erderwärmung mit bestimmt werden.

Tragen Aerosole zum menschengemachten Klimawandel bei?

Klimastudien berechnen den Einfluss externer Faktoren auf das Klimasystem, etwa die veränderte Konzentration von Treibhausgasen und anthropogenen Aerosolen. Das Ergebnis: Ruß leistet den drittstärksten Beitrag zur Erderwärmung: Wo viel Ruß ist, erwärmt sich der Boden auf eine Art und Weise, die zum Klimawandel durch Spurengase wie CO2 und Methan beträgt.