Schwarze Löcher schlucken Licht und sind somit unsichtbar. Wenn sie aber wie dieses von einem Stern umkreist werden, entstehen glühend heiße Gase. - © nasa/afp
Schwarze Löcher schlucken Licht und sind somit unsichtbar. Wenn sie aber wie dieses von einem Stern umkreist werden, entstehen glühend heiße Gase. - © nasa/afp

Wien. (est) Sie sind so klein, dass Astronomen sie lange mit Einzelsternen verwechselten. Erst als sie das Lichtspektrum genauer analysierten, entpuppten sich die vermeintlichen Sonnen als extrem kompakte Ansammlungen von Sternen. Ultrakompakte Zwerggalaxien sind bis zu 100 Mal schwerer als die massereichsten Kugelsternhaufen und konzentrieren ihre Masse auf engstem Raum. Sie sind viel kleiner als durchschnittliche Galaxien - und beherbergen häufig Schwarze Löcher.

"Ultrakompakte Zwerggalaxien haben typischerweise einen Radius von etwa 300 Lichtjahren, jedoch bis zu 100 Millionen Sonnenmassen", erklärte Anton Afanasiev von der Staatlichen Universität Moskau am Montag zum Auftakt des weltgrößten Astronomie-Kongresses der Internationalen Astronomischen Union in Wien. Zum Vergleich: Die Milchstraße hat einen Durchmesser von 170.000 bis 200.000 Lichtjahren.

Bei der Konferenz erläuterte Afanasiev Details seiner jüngsten Entdeckung eines extrem massiven Schwarzen Loches im Zentrum der Zwerggalaxie Fornax UCD3. Es hat die 3,5-millionenfache Sonnenmasse und ist damit in etwa so gewichtig wie jenes im Zentrum der Milchstraße. Berechnet haben die Forscher die Existenz des Schwarzen Loches anhand der Geschwindigkeiten der Sterne in dieser Galaxie. "Die Sterne werden von der Schwerkraft eines solchen massiven Körpers beeinflusst und beschleunigen sich in verschiedene Richtungen", sagte Afanasiev. Im Zentrum von Fornax UCD3 bewegen sich die Himmelskörper so schnell, dass dies nur durch das Vorhandensein eines massiven Schwarzen Lochs zu erklären sei.

Das riesige Schwarze Loch sei wahrscheinlich Zeuge, dass die Galaxie nicht immer Zwergenmaße hatte, meinte Afanasiev. Wahrscheinlich habe sie als durchschnittlich bemessene Galaxie einst den Weg einer größeren Galaxie gekreuzt, die ihr die Mehrzahl ihrer Sterne entriss.

Im Zentrum der Milchstraße wiederum konnten Astronomen eine Bestätigung für Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie finden: Erstmals konnten sie bei einem Stern, der sich um ein supermassereiches Loch bewegt, die Gravitations-Rotverschiebung nachweisen. Der Stern mit dem unpoetischen Namen S2, der das galaktische Zentrum umkreist, änderte in den Messungen die Frequenz elektromagnetischer Wellen, als er das extrem massereiche Schwarze Loch im Zentrum passierte, was Einsteins Vorhersagen entspricht.

Die Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) läuft bis 31. August. Heimische Veranstalter sind Universität Wien, Österreichische Akademie der Wissenschaften und Österreichische Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik. Rund 8000 Forscher aus 89 Ländern besuchen die Fachtagung. Sie werden sich über die Planetenentstehung und Physik der Sterne austauschen und über die Entwicklung des James-Webb-Weltraumteleskops, das bewohnbare Planeten finden soll. Doch auch geerdete Themen, wie die Standardisierung astronomischer Größen, der Umgang mit historischen Geräten, Nachwuchsförderung und Astronomie als Türöffner für die Naturwissenschaften stehen am Programm. Ein Augenmerk legen die Veranstalter auch auf den Umgang mit Lichtverschmutzung: "Wir arbeiten mit der Unesco, um den Nachthimmel vor zu viel künstlichem Licht zu bewahren", sagte IAU-Generalsekretär Piero Benvenuti.

Vergleich zwischen Planeten

Durch "vergleichende Planetologie" und die Erforschung des kosmischen Materiekreislaufs könne man nachvollziehen, wie die Erde sich entwickelte, betont wiederum Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien. Kleine Länder wie Österreich könnten in der Weltraumforschung vorne mitspielen, wenn sie sich auf Nischen spezialisieren, meint er. Dies sei hierzulande etwa bei der Entwicklung von Software gelungen, die in Weltraumteleskopen steuert, wie sie Sterne finden, vermessen und die Ergebnisse zur Erde schicken. Missionen wie "Cheops", "Plato" und "Ariel", die nach lebensfreundlichen Planeten suchen, seien maßgeblich mit heimischen Computer- und Softwarekomponenten ausgestattet.

Am Mittwoch wird im Austria Center Vienna die Wanderausstellung "Inspiring Stars" anlässlich des 100-jährigen Bestehens der IAU eröffnet. Ertastbare Planeten, ein Teleskop, das mit verschiedenen Sinnen erfasst werden kann, und eine Software, die astronomische Daten hörbar macht, sollen Menschen mit Sehbeeinträchtigungen die Möglichkeit geben, den Kosmos zu erkunden.

Öffentliche Vorträge auf Deutsch finden im Wiener Planetarium am 24. und am 28. August jeweils um 19 Uhr im Wiener Planetarium statt.