London. (gral) Obwohl sich Singvögel viele Monate im Jahr an prallvollen Futterstationen reichlichst laben, bleibt ihre Figur stets die gleiche. Dieser verblüffenden Tatsache sind Wissenschafter der University of Roehampton in London in ihren jüngsten Forschungen nachgegangen. Der Biologe Lewis Halsey hat sich mit seinem Team die Frage gestellt, wo Vögel wie zum Beispiel Finken diese überschüssige Energie verbrauchen - beim Gesang, beim zappeligen Herumhüpfen oder beim Fliegen - und damit letzten Endes auch ihr Gewicht halten können. Im Fachblatt "Ecology & Evolution" beschreibt er, dass die Tiere die Art und Weise, wie sie Energie verbrauchen, schlichtweg selbst steuern können.

Finken brauchen sich also über die Kalorienaufnahme erst gar keine großen Gedanken machen. "Die Tiere passen ihren Energieverbrauch unbewusst an die aufgenommene Futtermenge an", erklärt Halsey, der die physiologischen Vorgänge dahinter erforscht hat. In Folge verändert sich zum Beispiel die Frequenz ihres Flügelschlags, aber auch das Muster ihres Gesangs. Für die metabolischen Mechanismen im Körper sei damit die Effizienz sichergestellt, betont der Wissenschafter.

Unbewusste Gewichtskontrolle

Doch könnte es auch einen weiteren Grund geben, warum wir übergewichtige Singvögel erst gar nicht zu Gesicht bekommen. Tiere mit einem zu hohen Gewicht würden nämlich viel eher von Fressfeinden erwischt werden, erklären die Biologen. Diese Tatsache könnte wiederum die Evolution der Tiere vorangetrieben haben. Der Druck des Räubertums könnte diese Effizienz in der Energiesteuerung der Vögel hervorgerufen haben. Im Rahmen eines nächsten Futterexperiments will Halsey diesen besonderen Mechanismen der unbewussten Gewichtskontrolle noch weiter auf die Spur kommen.