Die Tatsache, dass Menschen und Tiere sich denselben Lebensraum auf diesem Planenten teilen, hat zum Teil gravierende Auswirkungen auf ihre Beziehung zueinander. Seit der Mensch die Erde bevölkert, hat er sukzessive mehr und mehr Platz für sich beansprucht. Heute hat dieser Anspruch einen kritischen Punkt erreicht, der zu Lasten vor allem der Wildtiere geht und von vielen Wissenschaftern bereits als das sechste Massenartensterben bezeichnet wird. Es steht in engem Zusammenhang mit der Zerstörung von Land zur Schaffung von Weide- und Anbauflächen, dem Wachsen der Städte und der Überfischung der Ozeane - Ökosysteme sind längst aus dem Gleichgewicht geraten und die Frage stellt sich: Wie viel Platz steht Menschen und Tieren jeweils zu und wie wollen wir in Zukunft mit unseren biologischen Verwandten umgehen?

Eine kleine Wildschweinrotte, die sich nächtens auf der Straße in einem Wiener Vorortbezirk herumtreibt, ein Fuchs, der in einem Vorgarten einen Bau gegraben hat – oder im Dorf den Hühnerstall plündert. Wölfe, die sich langsam wieder in Österreich ansiedeln, Braunbären, die gelegentlich hierzulande vorbeischauen – Wildtiere geraten immer mehr in den Fokus der Bevölkerung und der Wissenschaft. Schaut man sich in anderen Ländern um, findet man in Südostasien Elefanten, die sich in von Menschen angelegten Reisfeldern gütlich tun, Leoparden, die im indischen Mumbai durch die Straßen wandern, Eisbären, die in kleinen Siedlungen auf der Suche nach Nahrung sind, Mustangs, die den Farmern in den USA zu nahe kommen oder Kängurus, die den australischen Farmern ein Dorn im Auge sind.

Füchse haben sich längst an das Leben mit den Menschen gewöhnt - sie sind Kulturfolger. - © Laurent Geslin/Nature Picture Library/Getty
Füchse haben sich längst an das Leben mit den Menschen gewöhnt - sie sind Kulturfolger. - © Laurent Geslin/Nature Picture Library/Getty

Die Lebensräume der Wildtiere schrumpfen in erschreckendem Ausmaß und ihre einzige Möglichkeit, Nahrung zu finden, besteht oft nur darin, sich in die Nähe menschlicher Behausungen zu wagen. Doch das Reisfeld bedeutet für den Bauern Nahrung für ein ganzes Jahr, die Zerstörung desselben also Hunger; der Eisbär ist eine tödliche Gefahr für den Mensch und wenn der Wolf ein Schaf reißt, erleidet der Schafzüchter einen Verlust.

Seit der Wolf vermehrt nach Österreich einwandert – man geht von derzeit rund 20 Tieren aus – wird die Diskussion um den großen Beutegreifer hitzig. Bauern fürchten um ihre Tiere auf den Weiden und fordern mittlerweile oftmals den Abschuss der Wölfe. Doch das in Europa streng geschützte Raubtier ist durchaus eine Bereicherung der Natur, ist etwa der World Wildlife Fund (WWF) überzeugt. Einerseits wirke sich seine Anwesenheit positiv auf die Gesundheit des Wildbestandes aus, denn der Wolf holt sich vor allem schwache oder kranke Rehe, Hirsche oder Gämsen, wodurch sich nur die starken, gesunden Tiere vermehren. Andererseits fördere die regelmäßige Anwesenheit eines Wolfes das Entstehen von verbissfreien Stellen, da sich die Wildbestände im Wald verteilen und nicht nur an einer Stelle äsen. Dadurch können sich empfindliche Baumarten wieder verbreiten.