Den vielfach geforderten Abschuss als Management-Maßnahme, um Viehherden zu schützen, lehnen Wolfsbefürworter ab, denn er sei kontraproduktiv, wie eine Studie der Washington State University aus dem Jahr 2014 gezeigt habe: Je mehr einzelne Wölfe erlegt wurden, desto mehr Herdentiere fielen im Folgejahr den Beutegreifern zum Opfer. Der Abschuss eines Elterntieres – was einen massiven Eingriff in die Sozialstruktur einer Wolfsfamilie bedeutet - führt dazu, dass die jüngeren Wölfe wegen ihrer fehlenden Erfahrung auf leichter zu erbeutende Tiere wie Schafe oder Ziegen ausweichen müssen. In Slowenien mit einem geschätzten Bestand an 50 Wölfen, hat man ähnliche Erfahrungen wie in den USA gemacht: Dort werden nun die Weiden, auf denen besonders viele Schäden entstanden sind, besser geschützt. Die dauerhafte Rückkehr der Wölfe kann also funktionieren, wenn sie ausreichend Nahrung und ungestörte Gebiete finden, aber vor allem, wenn sie geduldet werden. Denn als Fleischfresser, der sich zwar hauptsächlich von Wild, aber eben manchmal auch von einzelnen Nutztieren ernährt, wird seine dauerhafte Wiederansiedelung naturgemäß immer wieder auf Widerstand stoßen.

Als ungefährlich, wenn auch manchmal lästig, nehmen Menschen dagegen Füchse oder Wildschweine in ihrer unmittelbaren Umgebung war – obwohl gerade letztere sehr wohl äußerst aggressives Verhalten an den Tag legen können. So entwickeln sich etwa die Wildschweinbestände in Wien-Donaustadt immer mehr zum Problem. Hier versucht das Forstamt (MA 49), die Tiere mit Lebendfallen einzufangen und sie dann in unbesiedeltem Gebiet wieder freizulassen.

Auch Füchse sind längst kein seltener Anblick in Städten. Vor einiger Zeit erregte ein Foto eines Fuchses in Berlin, der in einen Bus einsteigen wollte, Aufsehen. In Wien suchte vor wenigen Monaten ein Fuchs beim Ottakringer Bahnhof nach Futter - denn das lässt sich in der Stadt viel einfacher beschaffen als im Wald. Und schließlich Meister Reineke wird nicht nur im Abfall fündig, auch Ratten, Mäuse und Tauben – Tierarten, die den Menschen gefolgt sind, sogenannte Kulturfolger – sind hier eine leichte Beute. Es herrscht Unsicherheit im Umgang mit Wildtieren im urbanen Raum. "Füchse sind in der Stadt keine Gefahr, aber sie können unverschämt werden, wenn sie merken, dass ihnen selbst keine Gefahr droht", so Hans Frey von der Organisation "Vier Pfoten". Und so kommt es eben vor, dass die Tiere plötzlich im Hauseingang oder auf der Terrasse stehen. Tollwut ist dagegen aktuell kein Thema, Österreich ist seit 2008 tollwutfrei.

Dramatischer ist es für Tiere, die nicht aus Bequemlichkeit menschliche Ansiedelungen aufsuchen, sondern weil sie keine andere Möglichkeit haben, an Nahrung zu kommen, so wie etwa die bereits erwähnten Elefanten vor allem in Südostasien. Durch die ständige Verkleinerung und Zerstörung ihres Lebensraumes werden auch ihre Nahrungsressourcen zerstört und das Reisfeld ist oft die naheliegendste Ausweichmöglichkeit. Dass der Elefant damit die Nahrungsgrundlage des Bauern zerstört, ist ihm natürlich nicht bewusst, dennoch hat seine Aktion oftmals seinen eigenen Tod zur Folge. Was mittlerweile so häufig vorkommt, dass der Elefant in diesen Regionen als gefährdet gilt. Noch schlimmer steht es um einen unserer nächsten Verwandten, den Orang-Utan. Der weltweit rasant steigende Bedarf an Palmöl hat dazu geführt, dass die Regenwälder Borneos und Sumatras, der Heimat des großen Menschenaffen, rücksichtslos abgeholzt oder niedergebrannt werden, um dort Ölpalmen zu pflanzen. Der Borneo-Orang-Utan wird auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als "vom Aussterben bedroht" eingestuft.