Jede Form, jede Geometrie, jede Größe - mehr noch 3D-Drucker schaffen Formen, die es sonst gar nicht gäbe. Hier als Kunstwerk in einer Ausstellung von Design Exchange in Toronto, Kanada. - © Getty Images
Jede Form, jede Geometrie, jede Größe - mehr noch 3D-Drucker schaffen Formen, die es sonst gar nicht gäbe. Hier als Kunstwerk in einer Ausstellung von Design Exchange in Toronto, Kanada. - © Getty Images

Jede Form, jede Größe und jedes Material: Dinge werden nicht mehr geschraubt, gelötet, geschliffen oder gefräst, sondern gedruckt. Ob Kleidung und Schuhe, Töpfe und Teller, Schmuck, Spielzeug, Möbel, Gartenzäune, Häuser und gar Statuen der eigenen Kinder: Jeder Mensch kann sich alles, was er sich wünscht, selbst anfertigen . . . mit dem 3D-Drucker. Fabriken sind out, der globale Warenverkehr endlich klimafreundlich, weil obsolet. Denn im Internet werden keine Produkte, sondern nur Rohmaterialien und Bauanleitungen feilgeboten - die Fertigung verlagert sich in die Wohnzimmer. Sogar das Abendessen lässt sich drucken.

Noch vor vier bis fünf Jahren war das die Vorstellung. Der 3D-Druck galt als die Dampflokomotive der Produktion. Einige Pioniere sahen in der neuen Technologie eine Industrierevolution 5.0. Nicht einmal Roboter würden dann noch in den Fabriken werken, meinten sie, weil sogar die Karosserien fahrbarer Untersätze hausgemacht werden könnten. Heute zeigt sich, das ist nicht eingetreten. Nicht der 3D-Drucker, sondern ein Dieselskandal erschüttert die Autoindustrie, Lebensmittel wachsen weiterhin nach und Kleidung wird wie in alten Zeiten gewebt.

Warum blieb die Vision bisher eine kühne? Mit einem Filzstift malt Johannes Homa das Bild eines Weges auf eine weiße Tafel. "Gartners Hype-Zyklus: Am Anfang zeigt die Kurve steil aufwärts. Ihr Höhepunkt steht für extrem überzogene Erwartungen in eine neue Technologie: In diesem Momentum scheint bis zur Weltrettung alles möglich - so wie noch vor vier bis fünf Jahren", sagt der Wiener Experte für den 3D-Druck.

Doch siehe da - auf einen Sitz sackt die Kurve ab. Die Mehrheit der Hoffnungen zerschellt an den Klippen der Praxis, die viele Ideen als Spielerei, nicht kostendeckend oder nicht sinnvoll enttarnt. Zeit für den Auftritt einer Portion Vernunft, die aufzeigt "welche Produkte sinnvollerweise tatsächlich gedruckt werden sollten - und welche nicht". Langsam geht es wieder aufwärts, diesmal auf einem flacheren Pfad, der sich allmählich auf einer Geraden einpendelt. Technologiepropheten nennen sie "Plateau der Produktivität". Für Homa ist dieses Stadium ein guter Platz. Mit seinem Partner Johannes Benedikt hat er ein Unternehmen gegründet, das Drucker für Bauteile aus Keramik erzeugt. Lithoz heißt die im sechsten Wiener Gemeindebezirk beheimatete Firma, die kein Start-up mehr ist, sondern ein expandierendes Unternehmen mit derzeit 60 Mitarbeitern und einer Niederlassung in den USA.