Wien. Nicht die Suche nach Wasser und Leben, sondern die Vorgänge im Inneren des Mars sind das Ziel der US-Mission Insight. Wenn alles nach Plan verläuft, soll der Lander am Montag um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Roten Planeten aufsetzen und dessen Untergrund untersuchen.

Anders als das Erdinnere verhält sich das Marsinnere eher ruhig. Das Seismometer SEIS (helles Oval auf dem Boden) soll Marsbeben messen, der Schlaghammer HP3 (rechts) bis zu fünf Meter nach unten vordringen. - © nasa
Anders als das Erdinnere verhält sich das Marsinnere eher ruhig. Das Seismometer SEIS (helles Oval auf dem Boden) soll Marsbeben messen, der Schlaghammer HP3 (rechts) bis zu fünf Meter nach unten vordringen. - © nasa

Mit einer Geschwindigkeit von 21.000 Stundenkilometer soll Insight, zu Deutsch "Erkenntnis", "Einblick" oder auch "Tiefblick", am Montag in die Marsatmosphäre eintreten. Dabei muss der Hitzeschild des Landers glühend heißen 1500 Grad Celsius widerstehen. Elf Kilometer über dem Marsboden soll sich ein Fallschirm entfalten, der die Sonde so weit abbremsen soll, dass sie von ihren Bremsraketen mehr oder weniger sanft abgesetzt werden kann.

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Der Nasa-Rover Curiosity ist derzeit 500 Kilometer von der Landestelle entfernt unterwegs. Anders als Curiosity soll Insight (Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport) auf seinem Landeplatz in der Ebene Elysium Planitia verharren. Über Bohrungen und Messungen der Erdbebenaktivität soll sein Labor detaillierte Kenntnisse über den Marskern liefern und zugleich Thesen über den Aufbau der Erde auf den Prüfstand stellen.

"Insight weicht ab von den Rover-Missionen, die an der Oberfläche nach Spuren von Wasser und vergangenem Leben suchen. Der neue Lander macht die Hausaufgaben, die bisher liegengeblieben sind", sagt Günter Kargl, Ko-Investigator in Österreich für die Mission am Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF), das mit Voruntersuchungen zu Insight beigetragen hat. "Jede seismische Messung eines Erdbebens ist eine Computertomografie des Planetenkerns", erläutert Kargl. Ob dicht oder dünn, fest oder flüssig, massereich oder massenarm - "die Ausbreitung der seismischen Wellen ist ein Abbild der inneren Beschaffenheit."

Doch während die Erde mit ihrem flüssigen äußeren Kern, ihrer Plattentektonik und ihren gewaltigen Eruptionen ziemlich dynamisch ist, verhält sich der Mars eher ruhig. Über sein Inneres ist wenig bekannt. Wie bei allen terrestrischen Planeten des Sonnensystems besteht sein innerer Kern aus Eisen und Nickel. Der Mars ist aber nur halb so groß wie die Erde und besitzt kein Magnetfeld. Auch Anzeichen für eine Plattentektonik wurden nicht gefunden. "All dies würde darauf hindeuten, dass der Marskern erkaltet und erstarrt ist und deswegen solche Mechanismen nicht antreiben kann. Allerdings hat auch die Venus weder Magnetfeld noch Plattentektonik - dennoch wird schon allein wegen ihrer Größe angenommen, dass ihr Kern flüssig ist", so Kargl.