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Darmstadt. (dpa/est) Jan Wörner, der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, plädiert für eine stärkere internationale Zusammenarbeit im All. "Geopolitisch kann die Raumfahrt eine Vorbildfunktion einnehmen", sagte Wörner am Freitag in Darmstadt. Die Landung der chinesischen Sonde "Chang’e 4" auf der Rückseite des Mondes habe eindrucksvoll belegt, wie ambitioniert Chinas Raumfahrtprogramm sei. Eine stärkere Zusammenarbeit könne für alle lohnenswert sein.

Dass Kooperation im All funktioniere, zeige die Zusammenarbeit auf der Internationalen Raumstation ISS, an der verschiedene Raumfahrtagenturen beteiligt sind, sagte der ESA-Chef. "Ich bin sicher, dass die Chinesen ihre neuen Erkenntnisse mit anderen Ländern teilen werden", fügte er hinzu. Schon heute kooperiere die ESA in der Raumfahrt mit Beijing, etwa bei der Raumsonde "Chang’e-5". Diese soll noch heuer Mond-Gesteinsproben zur Erde bringen. "Verschiedene Nationen können Beiträge für ein gemeinsames Ziel leisten", sagte Wörner. Große Herausforderungen könnten mitnichten durch Isolation gemeistert werden. Anders als beim Space Race zu Zeiten des Ost-West-Konflikts habe man heute die Chancen der Raumfahrt für internationale Kooperation erkannt. Auch dass der Mond wieder stärker in den Fokus rücke, sei positiv. Auf dem Trabanten könnten die Menschen Bedingungen für künftige Weltraumexpeditionen erforschen oder neue Technologien für Marsmissionen entwickeln. "Chang’e 4" hat unter anderem Saatgut dabei. Damit wollen die Forscher prüfen, ob Gemüseanbau in einer geschlossenen Umgebung bei der niedrigen Schwerkraft der Mondoberfläche möglich ist.

Mit der ersten Landung auf dem Rücken des Mondes hatte China in den frühen Morgenstunden des Donnerstag Raumfahrt-Geschichte geschrieben. Es war das erste Mal, dass ein von Menschen gebautes Gerät auf der von der Erde abgewandten Seite des Mondes aufsetzte. Die unbemannte Sonde landete im Aitken-Krater in der Nähe des Südpols des Erdbegleiters. Im chinesischen Staatsfernsehen war von einer historischen Landung und einem großen technologischen Durchbruch die Rede.

Chinas Spuren im Boden

In der Nacht zum Freitag wurde auch das Roboterfahrzeug der Mission in Betrieb genommen. "Jadehase 2" rollte am Abend des 3. Dezember von der Landesonde "Chang’e 4", berührte um 22.22 Uhr mitteleuropäischer Zeit erstmals die Mondoberfläche und hinterließ mit seinen Reifen die ersten Spuren im lockeren Mondboden, teilte die chinesische Weltraumbehörde CNSA mit.

Die erste sanfte Mondlandung war der Sowjetunion mit der Sonde "Luna 9" im Jahr 1966 gelungen. 1959 war "Luna 2" auf dem Mond zerschellt. 1969 betrat ein US-Astronaut erstmals den Erdtrabanten. Heute meistert die Nasa komplexere Missionen, wie den Vorbeiflug der Sonde "New Horizons" am entferntesten Planeten des Sonnensystems Ultima Thule, die Sonnenmission "Parker Solar Probe" und die Landung der Sonde "Insight" auf dem Mars.

Im Vorfeld hatten chinesische Experten die "Chang’e 4"-Mission als anspruchsvoll bezeichnet. Als Hürde galt die Kommunikation mit der Erde, da zur Rückseite des Mondes keine direkte Funkverbindung aufgebaut werden kann. Deshalb brachten die Chinesen bereits im Mai den Übertragungssatelliten "Queqiao" (Brücke der Elstern) in Position, um Signale aus dem Funkschatten zu übertragen.