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Washington/Wien. Obwohl wiederverwertbar, landen Produkte aus PET (Polyethylenterephthalat), wie Plastikflaschen, Kleidung oder Teppiche, früher oder später in der Umwelt - mit verheerender Wirkung. Während ein Einkaufssackerl zwischen zehn und 20 Jahre benötigt, bis es zerfallen ist, dauert dies bei einer PET-Flasche immerhin rund 450 Jahre. In den Weltmeeren schwimmen Millionen an Tonnen davon. Sollte die Entwicklung so weitergehen, wird es im Jahr 2050 mehr Kunststoff als Fische im Meer geben, schätzt die Umweltorganisation Global 2000. Immer mehr Forscher widmen sich daher der Herausforderung der nachhaltigen Wiederverwertung. Ein US-Wissenschafterteam beschreibt nun in einer Studie im Fachblatt "Joule" das mögliche zweite Leben von PET - nämlich in Autoarmaturen, Sportgeräten oder Windrädern.

Eigenschaften gehen verloren

Das Material ist ein Leichtgewicht, wasserbeständig und bruchsicher - alles Eigenschaften, die für die Industrie besonders interessant sind. Aber obwohl PET grundsätzlich wiederverwertbar ist, landen die meisten der 26 Millionen Tonnen produzierten Produkte auf der Mülldeponie oder einfach irgendwo in der Umwelt - nicht nur im Meer. Durch Recycling werden aus alten PET-Flaschen zwar wieder neue hergestellt, doch irgendwann ist der Kreislauf zu Ende, weil das Kunststoffmaterial an Wert verliert, schreiben die Forscher. Die geschätzten Eigenschaften gehen verloren, wodurch es letzten Endes nicht mehr weiter verwertet werden kann. Nach maximal zwei Durchgängen sei es vorbei.

"Das herkömmliche PET wird heutzutage vorwiegend einem ,Downcycling‘-Prozess zugeführt", betont der Chemiker und Studienautor Gregg Beckham vom U.S. Department of Energy’s National Renewable Energy Laboratory in Washington. "Mit unserem Verfahren hingegen verwandeln wir es in ein langlebiges und wertvolles Material, das zum Beispiel in Autoteppichen oder auch Snowboards, Surfbrettern und Turbinenschaufeln Verwendung findet."

Um das neue Material zu generieren, haben die Wissenschafter gebrauchte PET-Flaschen mit Pflanzenabfall vermischt und einem speziellen chemischen Verfahren zugeführt. Das Resultat ist ein Kunststoff, der zwei bis dreimal wertvoller ist als der ursprüngliche, erklären die Forscher. Plastikflaschen könnten demnach künftig einem lukrativen Zweitleben zugeführt werden. Bei der Herstellung des neuen Verbundstoffes könnten immerhin auch 57 Prozent an Energieaufwand eingespart werden, damit würden überdies um 40 Prozent weniger Treibhausgase in die Umwelt entlassen, so die Studie.

Produkt mit Verfallsdatum

"Die Idee ist, Technologien zu entwickeln, die die Wirtschaftlichkeit der PET-Rückgewinnung anregen", erklärt Beckham. "Das ist die wahre Hoffnung - ,Second-Life‘-Upcycling-Methoden zu entwickeln, die Einweg-Kunststoffabfälle wertvoll für die Rückgewinnung machen. Das könnte wiederum dazu beitragen, Plastikabfälle von den Weltmeeren und den Deponien fernzuhalten."

Die Technologie muss allerdings noch weiterentwickelt werden, da die derart produzierten Verbundwerkstoffe selbst nicht mehr recycelt werden können. Nach einigen Jahren oder Jahrzehnten im Auto, auf der Piste oder als Windrad ist damit auch ihr Verfallsdatum erreicht. Das Team plant allerdings auch die Entwicklung ähnlicher Methoden für das Recycling anderer Materialien. Dadurch soll eine effiziente Kreislaufwirtschaft entstehen.

ReOil-Verfahren

Auch andernorts wird versucht, Plastik als Rohstoff einzusetzen. So hat etwa die OMV schon eine Methode entwickelt, das aus Kunststoffmüll wieder Rohöl erzeugt. Das sogenannte ReOil-Verfahren könnte in Zukunft rund ein Drittel des heimischen Plastikmülls recyceln, so die beteiligten Wissenschafter. Eine Testanlage läuft in der Raffinerie Schwechat. In etwa sechs Jahren will der Konzern eine kommerziell voll nutzbare Plastik-Recycling-Anlage mit dem Verfahren hochfahren. Das Projekt wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt.