Wien/München/Brüssel. (est/apa) 174.00 Patentanmeldungen, die Hälfte davon aus Europa: Diese Bilanz zieht das Europäische Patentamt (EPA) für das Jahr 2018. "Die Zahlen verdeutlichen die hohe Innovationskraft der europäischen Unternehmen und Hochschulen", betonte EPA-Chefökonom Yann Meniere anlässlich der Jahresbilanz, die am Dienstag in München veröffentlicht wurde.

Die meisten neuen Ideen wurden für Boom-Bereiche der Industrie, wie digitale Medizintechnologien, Big Data und Künstliche Intelligenz im Gesundheitsbereich, digitale Kommunikation und Computertechnologie sowie selbstfahrende Autos, geboren. "Insbesondere bei selbstfahrenden Autos sehen wir Verschiebungen: Die Hälfte der Antragsteller stammt nicht mehr aus der Autoindustrie, sondern aus Informationstechnologien, der Telekom- und Halbleiterbranche, die den Marktplatz zunehmend mit den Autoherstellern teilen", fasst Meniere in einem Video zur Bilanz 2018 die Trends zusammen.

Österreichische Unternehmen haben ihre Innovationskraft weiter gesteigert: Mit 2292 Patentanmeldungen haben sie den Höchststand von 2017 um 3,8 Prozent übertroffen. Mit diesem Zuwachs positionierte sich das Land erneut in der Spitzengruppe der Mitgliedstaaten mit mittelgroßem Anmelde-Aufkommen. In der Liste aller Anmeldestaaten beim EPA liegt Österreich nun auf Platz 14. Mit 261 europäischen Patentanmeldungen pro Millionen Einwohner befand es sich, gemessen an der Einwohnerzahl, in Europa und im internationalen Vergleich auf dem siebenten Rang. Wie aus dem Jahresbericht weiter hervorgeht, meldeten heimische Unternehmen die meisten Patente in den Technologiefeldern Elektrische Maschinen, Geräte und Energie an.

In der Bundesländer-Wertung konnte Wien trotz eines Rückgangs von 2,4 Prozent seine Spitzenposition behaupten: Knapp jede vierte Anmeldung zum Patent stammt aus der Bundeshauptstadt. Auf den Plätzen folgen erneut Oberösterreich und die Steiermark, obwohl beide Bundesländer Rückgänge gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Starke Zuwächse verbuchen dagegen Tirol mit plus 37,3 Prozent sowie Kärnten mit 34,4 und Niederösterreich mit 28,4 Prozent mehr.

"Die Zunahme der Patentanmeldungen belegt, dass sich Innovation in Europa auf ein konkurrenzfähiges, wirksames Patentsystem stützen kann. Das ist für Unternehmen entscheidend, um gewichtige Patentportfolios aufzubauen, was der Wirtschaft zugutekommt", sagte EPA-Präsident António Campinos am Dienstag, und: "Mit seinem Anmeldewachstum trägt Österreich zur Stärkung des Innovationsstandorts Europa bei." Allein in der EU seien in Branchen mit einer hohen Nutzung von Patenten, Marken und Designrechten rund 60 Millionen Menschen beschäftigt, die 42 Prozent der Wirtschaftsleistung erbrächten und für über 90 Prozent der Exporte verantwortlich zeichneten.

Führende Patentnation USA

Die 174.000 beim EPA angemeldeten Patente bedeuten ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Jahr davor. 47 Prozent kamen aus den 38 Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation (EPO). Jedoch bleiben die USA mit 44.000 europäischen Anmeldungen die führende Patentnation. Es folgen Deutschland mit 27.000, Japan mit 23.000, Frankreich mit 10.000, China mit 9000 und die Schweiz mit 8000 Anmeldungen. Von den europäischen Regionen steht Bayern mit 8000 Patenten an der Spitze, gefolgt von Ile-de-France und Nordrhein-Westfalen. "Westösterreich" kommt mit rund 1000 Patenten in der Regionenwertung auf Rang 18.

Bei den Unternehmen hat Siemens mit 2493 Anmeldungen Huawei (2485) um acht Treffer auf Platz zwei verdrängt. Es folgen Samsung (2449), LG (2.76) und United Technologies (1983). Unter den Top Ten befanden sich vier Firmen aus Europa, drei aus den USA, zwei aus Südkorea und eine aus China. Im österreichischen Unternehmens-Ranking lag Borealis, wie schon in den vergangenen Jahren, mit 171 unangefochten an der Spitze.