Berlin. Heben Sie Ihre Ostereier-Schalen auf, denn sie könnten bald zu einem wichtigen Rohstoff werden. Schon in ein bis zwei Jahrzehnten könnten Eierschalen ein Bestandteil von Super-Kondensatoren sein, die sich im Vergleich zu derzeitigen Lithium-Ionen-Akkus in Smartphones oder Elektroautos viel schneller aufladen. Allerdings speichern sie nur ein Zehntel des Stroms, berichtet das Helmholtz-Institut Ulm (HIU) in der Zeitschrift "Dalton Transactions" der Royal Society of Chemistry.

Schnelle Kondensatoren kommen in elektronischen Bauteilen aller Größen zum Einsatz, von Handys über Busse bis Eisenbahnen. In Fahrzeugen speichern sie die beim Bremsen frei werdende Energie. Oder sie laden sich über eine Induktionsschleife auf, die im Asphalt verlegt ist. Dabei lagern sich positive Lithium-Ionen an der Oberfläche an, während ihre negativen Pendants in die andere Richtung fließen. Bisher verwenden Hersteller für solche Elektronenleiter häufig Graphit aus dünnen Kohlenstoff-Schichten. Graphit ist zwar preiswert, wird aber ähnlich wie Kohle in Bergwerken abgebaut und ist somit nicht nachhaltig.

Um eine nachwachsende Alternative zu finden, haben HIU-Forscher um Maximilian Fichtner im Biomüll gestöbert. Die Forscher zerkleinern Schalen von Hühnereiern. Sie sind aus Kalziumcarbonat und aus einer Faser-Membran von Proteinen aufgebaut. Die Forscher verkohlten die Schalen mit Hitze. "Dabei entsteht Kohlenstoff mit einer Mikrostruktur, die einem zusammengestürzten Kartenhaus ähnelt", erklärt Fichtner.

Die Mikro-Karten bestehen aus Graphit-ähnlichen Schichten, die Strom gut leiten und genug Oberfläche bieten, als dass sich die sich die Lithium-Ionen rasch anlagern können. Sie eignen sich laut den Forschern als nachhaltige Elektroden für Lithium-Ionen-Kondensatoren und halten mehr als 1000 Lade-Zyklen durch. Damit erreichen sie die Stabilität von herkömmlichen Graphit-Elektroden zwar bei nicht. Aber die ersten Labor-Experimente sind so gut ausgefallen, dass Fichtner bereits in der Weiterentwicklung der Super-Kondensatoren stecken. "Wenn alles gut läuft, könnten sie in fünf bis zehn Jahren auf den Markt kommen", schätzt der HIU-Forscher.