Wien. (est) "Der Mond ist das Testgelände, der Mars ist das Ziel", bekräftige Nasa-Chef Jim Bridenstine diese Woche in Washington. Das von der Regierung von US-Präsident Donald Trump vorgegebene Ziel, bis 2024 wieder US-Astronauten auf den Mond zu bringen, sei "eine schwierige Aufgabe, aber erreichbar".

Wann der erste Mensch seinen Fuß auf den Mars setzen könnte, ist umstritten, zumal die Astronauten auch unversehrt wieder zurückkehren müssen. Die Nasa will 2033 so weit sein. Ulrich Walter, Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München, hält eine Ankunft am 2. August 2048 für wahrscheinlicher. "Man kann nicht einfach so zum Mars losfliegen, sondern er muss auch an der Kreuzungsstelle sein, wenn das Raumschiff die Marsbahn schneidet. Weil die Marsbahn leicht elliptisch ist, ist die Übergangsbahn alle 15 Jahre besonders kurz und daher günstig", sagt er in der Zeitung "Die Welt".

Nicht nur die Bahnkonstellation erschwert die Mission. Auf dem Mars herrscht extremer Frost. Flüssiges Wasser fehlt ebenso wie eine schützende Atmosphäre. Eine fantasievolle Vorstellung ist die Neugestaltung des Marsklimas, damit auf dem Roten Planeten grüne Landschaften entstehen. Der US-Astronom Carl Sagan ersann die Möglichkeit des Terraforming. Dabei wird der Eisschild auf dem Nordpol verdampft, um einen Treibhausgaseffekt zu erzeugen. Die Temperaturen würden steigen, die Marsatmosphäre würde sich verdichten. 2018 stellte die Nasa jedoch, dass der von Sagan berechnete Effekt zu schwach wäre, um Leben zu ermöglichen.

Ein Team der Universität Harvard denkt Terraforming nun neu. Statt dem ganzen Planeten ein neues Klima zu geben, will es regional beginnen. Helfen soll ein Material aus der Industrie. Silikat-Aerogele bestehen fast nur aus Luft. Die leichten, extrem porösen Festkörper wirken wärmedämmend und auch stabil. Silikat-Aerogele lassen Licht für die Photosynthese durch, blockieren jedoch Ultraviolett-Strahlung. Anwendungen existieren in Brennstoffzellen, Katalysatoren und in der Wärmedämmung. Laut den Forschern könnten weiträumige Kuppelkonstruktionen auf dem Mars gebaut werden. "Silikat-Aerogel ist ein vielversprechendes Material, da es passiv wirkt", erklärt Koautorin Laura Kerber: "Ein System mit kleinen, lebensfreundlichen Inseln würde es ermöglichen, den Mars zu transformieren." Das Konzept soll in marsähnlichen Klimazonen auf der Erde getestet werden.