Was passierte vor der Entstehung des Sonnensystems, kurz nach dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren? Die Astronauten von Apollo 16, der bisher vorletzten Reise Amerikas zum Mond, "hinterließen am 24. April 1972 ein kleines, vergoldetes Teleskop auf dem Mond. Es war ein kleiner Teil der Mission, aber ein Meilenstein der Astronomie: Das erste Observatorium auf einer anderen Welt", heißt es in "Science": "Seitdem schmieden Astronomen Pläne für eine Mondbasis."

Der Mond ist ein luftloser, seismisch stiller Ort mit Platz für ganze Felder von wissenschaftlichen Experimenten. Insbesondere seine dunkle Seite wäre für Radioastronomen ein Paradies. Geschützt vor Interferenzen mit Funksignalen der Erde, ließe sich in aller Ruhe dem Universum lauschen.

Auf der Erde muss die Radioastronomie mit TV- und Radiogeräten konkurrieren. Besonders Niedrig-Frequenzen werden von der Ionosphäre zerstreut. Doch gerade Wellenlängen von unter 50 Megahertz transportieren die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung aus dem dunklen Zeitalter des Kosmos, bevor sich die Sterne bildeten. Die uralte Botschaft aus dem frühen Universum sind nicht mehr als ein Flüstern. Doch Berechnungen zeigen, dass eine Vielzahl von Antennen an einem stillen Ort den Hauch hörbar machen würde.

Neue Ära in der Suche
nach Leben im All

Radioteleskope könnten auch die Wellen der Magnetfelder von erdähnlichen Exoplaneten mit Eisenkernen registrieren. Die Suche nach Leben im All würde in eine neue Ära eintreten.

Eine kommerzielle Ausbeutung des Mondes würde diese Signale freilich stören. Wenn auf dem Mond Kräne auffahren und Bagger ihn seiner Bodenschätze berauben, wäre es nichts mit rauschfreiem Lauschen nach den Flüstertönen aus der Vergangenheit. Die Menschheit muss entscheiden, welche der zahlreichen Ideen zu neuen Mondmissionen sie umsetzen will, damit aus der stillen Mondwüste nicht ein kosmischer Ballermann wird.

Anders als Apollo wird eine neue, bemannte Mission nicht die exklusive Leistung der Amerikaner sein. Europa entwickelt mit, China landete erstmals mit einem Roboter auf der Rückseite. Indien will am Montag zum Südpol des Trabanten starten, um in den dortigen schattigen Kratern nach Wassereis zu suchen. Da an den Rändern der Krater nahezu ständig die Sonne scheint, wären zwei Elemente für eine Ansiedlung auf dem Mond vorhanden.