Das große Rätsel der Weihnachtszeit ist, dass der Mensch ein paar Stunden Stille scheinbar nur dann aushält, wenn er einen Monat davor möglichst viel Lärm und Stress macht. Da wären nicht nur das Einkaufen, Basteln und Planen – und all das neben dem normalen Alltagsleben und den alltäglichen Aufgaben, es gibt ja auch noch die unzähligen Advent- und Christkindlmärkte, die mit Glühwein und Punsch locken und den Weg von der Arbeit nach Hause noch deutlich länger machen. Es gibt auch Menschen, die meinen, dass Weihnachten mit Einkäufen und Familie ohnehin nur mit einer gehörigen Portion Alkohol im Vorfeld ertragen werden kann. Egal welche Meinung man vertritt, es ist eines der großen Paradoxe unserer Zeit: Die stillste Zeit des Jahres ist eigentlich die lauteste.

Bitte Kopfhörer!

Kein Wunder, dass dann auf den Wunschlisten der akustisch genervten Menschen auch immer öfter Produkte stehen, die das Leben leiser und damit gefühlt ruhiger oder zumindest in der eigenen Blase abgeschirmt, erträglicher machen sollen. Weit vorne bei diesen Weihnachtswünschen sind dann Kopfhörer zu finden. Wer sich nicht den jahreszeitlich überproportional und in der Öffentlichkeit noch zu laut gespielten Trommelfellkillern "Last Christmas" oder "All I Want For Christmas Is You" aussetzen will, muss sein Gehör schützen. Ob Übers-Ohr oder Ins-Ohr mit oder ohne Kabel, Hauptsache es wird ruhiger und die eigene Musik ersetzt die Dauerbeschallung von außen. Besonders das Wort "Noise cancelling" erfreut des genervten Trommelfellträgers Herz und Ohr. Noch schöner klingt hingegen in den Hörorganen das deutsche Wort dafür – "Antischall". Es geht also nicht um eine einfache Blockade gegen den Lärm, sondern um eine technologische Innovation, die dem immensen Geräuschpegel aktiv entgegenwirken soll.

Unter Antischall (auch als "aktive Lärmkompensation" bekannt oder aber aus dem Englischen Active Noise Reduction [ANR] oder Active Noise Cancellation [ANC]) versteht man, vereinfacht gesagt, Schall, der künstlich erzeugt wird, um mittels destruktiver Interferenz Schall auszulöschen. Es wird daher versucht, ein Signal zu erzeugen, das dem des störenden Schalls mit entgegengesetzter Polarität exakt entspricht. Bei Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung wird über ein eingebautes Mikrofon das Umgebungsgeräusch gemessen und aus diesem mit Hilfe der akustischen Übertragungsfunktion des Kopfhörers der Anteil berechnet, der am Ohr noch verbleiben würde. Für diesen Teil wird dann zur Kompensation ein gegenpoliges Signal im Kopfhörer erzeugt. Am Trommelfell verbinden sich nun der äußere Schall und das Signal aus dem Endgerät zum hörbaren Gesamtton. Der Schalldruckpegel wird deutlich verringert. Zusätzlich kann auch ein Nutzschall (Sprache, Musik) über den Kopfhörer wiedergegeben werden.