Ein Fenster muss sein. "Für Ingenieure ist das natürlich ein Albtraum", räumt Christiane Heinicke ein. Aber wer mit Menschen monatelang auf allerengstem Raum lebt und arbeitet und das im Weltall, der braucht eine lebenswerte Umgebung. "Damit die Crew nicht durchdreht", sagt die deutsche Geophysikerin vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Zarm) der Universität Bremen.

Heinicke hat in zweijähriger Arbeit ein aus sechs Modulen bestehendes Habitat entwickelt, das für den Einsatz auf Mond oder Mars konzipiert ist. Der kosmische Wohn- und Arbeitsplatz ist aufgeteilt in die Einheiten Schlafen, Küche, Freizeit sowie Labor, Werkstatt und Gewächshaus. Je sieben Meter hoch sind die miteinander verbundenen, zylinderförmigen Segmente.

Das silberfarbene, zweistöckige Labor-Modul steht in Originalgröße in einer Halle des Bremer Forschungszentrums und hat eine Grundfläche von 15 Quadratmetern. Das Fenster ist für das Freizeitmodul gedacht. Anders als das Labor soll dieses keine Zwischendecke haben, damit die Bewohner ein weiträumigeres Gefühl bekommen können. Denn wenn eine Crew von vier Astronauten bis zu eineinhalb Jahre in dem Habitat verbringt, ist es psychologisch herausfordernd.

"Eigentlich sind es Probleme, die man aus dem Alltag kennt, nur eben deutlich verschärft", erzählt die 34-Jährige, die selbst einen einjährigen Testversuch auf Hawaii unter extraterrestrischen Bedingungen mit fünf Kolleginnen und Kollegen auf nur 100 Quadratmetern absolviert hat. "Unter Normalbedingungen hat man Urlaub, Wochenenden und Feiertage, um räumlich und mental Abstand zu gewinnen. Im All gibt es keinen Abstand, keine Pause." Auch Volker Schmid hält diesen Punkt für wichtig: Layout und Gestaltung des Habitats müssten so sein, dass die Psyche bei Einsätzen keinen Schaden nehme. "Das darf nicht nur eine weiße Blechkiste sein", sagt der Raumfahrtingenieur und Leiter der Abteilung ISS, Astronautische Raumfahrt und Exploration am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Sicherheit steht an
erster Stelle

Besondere Bedeutung kommt auch autarken Lebenserhaltungssystemen zu. Auf der Raumstation ISS wird etwa der Urin der Astronauten mit Filtersystemen so aufbereitet, dass das saubere Wasser ins Versorgungssystem zurückgeführt werden kann. "Die Astronauten sagen immer: Der Kaffee von heute ist der Kaffee von morgen", sagt Schmid schmunzelnd.

Ressourcenaufbereitung spielt bei dem von der Klaus Tschira Stiftung mit 380.000 Euro geförderten Bremer Habitatprojekt "Moon and Mars Base Analog" (Mamba) eine große Rolle. Das Team um Christiane Heinicke setzt dabei auch auf Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, die zur Sauerstoffproduktion eingesetzt werden können.