Bis Menschen auf dem Mars landen, könnte es noch eine Weile dauern. Vorerst wird im Juli ein weiterer Rover auf die Reise geschickt, um den Roten Planeten quasi hautnah zu erkunden. Die Mission trägt den Namen "Mars 2020", das Gefährt selbst noch keinen. Dieser soll mittels Online-Abstimmung erkoren werden. Vorschläge gibt es bereits. Noch bis zum 27. Jänner lädt die US-Weltraumagentur Nasa zur Wahl. Für die Erkundung selbst haben sich die Wissenschafter vier Ziele gesetzt: So soll bestimmt werden, ob jemals Leben am Mars entstanden ist. Des Weiteren sollen das Klima und die Geologie analysiert werden. Zu guter Letzt dient die Reisetätigkeit der Vorbereitung einer künftigen, bemannten Mars-Mission.

Start im Hochsommer

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Es soll nicht nur danach Ausschau gehalten werden, ob der Rote Planet in der Vergangenheit möglicherweise bewohnbar war, sondern auch nach Spuren von vergangenem mikrobiellen Leben gesucht werden. Mittels Bohrer soll der Rover Proben von Gestein und Erde entnehmen und diese zwischenzeitlich auf der Oberfläche lagern. In einer künftigen Mission könnten diese Proben dann zur Erde zurückgebracht werden, schildert die Nasa auf ihrer Homepage die Arbeit des Erkunders.

Weiters soll mit den aufgebrachten Geräten getestet werden, ob sich aus der Mars-Atmosphäre Sauerstoff produzieren lässt. Die Suche nach Wasserressourcen, die Verbesserung von Landetechniken und die Charakterisierung von Wetter, Staub und anderen möglichen Umweltbedingungen sind Grundlage für eine angedachte Besiedelung des Mars.

Der Start ist zwischen dem 17. Juli und dem 5. August anberaumt. In dieser Zeit befinden sich Erde und Mars in guter Position zueinander, um eine erfolgreiche Landung vollziehen zu können, so die Nasa. Der Rover ist in seiner Ausführung nahezu ein Zwilling des Vorgängermodells "Curiosity". Dieser war zuletzt auf eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Methan-Gas gestoßen - was ein Indiz für Leben auf dem Roten Planeten sein könnte.

Die Mission des Nasa-Rovers "Opportunity" wiederum war im Februar des Vorjahres für beendet erklärt worden, nachdem es monatelang kein Lebenszeichen mehr von dem Roboter gegeben hat. Er war rund 15 Jahre im Einsatz.

Die Namenswahl

Letzten Dezember hatte das neue Modell erfolgreich seine Generalprobe auf der Erde absolviert. Dabei rollte der ferngesteuerte Rover im kalifornischen Pasadena zehn Stunden lang vorwärts, rückwärts und über Hindernisse. Da das anvisierte Gelände auf dem Mars - der Jezero-Krater - besonders klippenreich und steinig ist, ist der Roboter mit besonders strapazierfähigen Reifen und einer ausgefeilten Navigationssoftware ausgestattet. Der Rover hat mit drei Metern Länge etwa die Größe eines Kleinwagens und wiegt eine Tonne. Er ist mit Computerprozessoren, Kameras, Antennen und vielen Messgeräten bestückt. Zudem ist er mit einem verbesserten Bohrer ausgestattet, der Steine aufbrechen kann.

Jetzt ist die Erdbevölkerung dazu aufgerufen, dem Roboter einen Namen zu geben. Rund 28.000 US-Schüler haben Vorschläge gemacht, daraus haben Experten neun Namen ausgesucht - und nun darf jeder im Internet abstimmen. Zur Auswahl stehen "Endurance" (Ausdauer), "Tenacity" (Hartnäckigkeit), "Promise" (Versprechen), "Perseverance" (Durchhaltevermögen), "Vision" (Vision), "Clarity" (Klarheit), "Ingenuity" (Einfallsreichtum), "Fortitude" (Tapferkeit) und "Courage" (Mut). Die Online-Abstimmung läuft bis 27. Jänner, danach entscheidet die Nasa über den endgültigen Namen.

Wer möchte, kann bei dieser Mission auch seinen eigenen Namen zum Mars schicken. Diesen trägt man auf der Nasa-Webseite ein und erhält eine Art virtuellen Boarding-Pass. Die Namen werden auf einem Mikrochip gespeichert, mit dem der neue Rover bestückt wird. Der im November 2019 auf dem Mars gelandete "InSight"-Roboter hatte bereits mehr als zwei Millionen Namen im Gepäck.

Besiedelung fraglich

Ob eine Besiedelung des Mars jemals Realität wird, steht in den Sternen. Die frühere Nasa-Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper jedenfalls glaubt nicht daran, dass die Menschheit auf einem anderen Planeten ein neues Zuhause finden wird. Zwar rechne die 56-jährige Amerikanerin damit, die Landung eines Menschen auf dem Roten Planeten noch zu erleben. Doch der nächste Schritt sei erstmals, wieder zum Mond zu fliegen, sagt sie in der "Süddeutschen Zeitung". Die Erfolgsaussichten für private Anbieter bewertet sie skeptisch. Vorerst bleibt es also bei der "Bevölkerung" mit Robotern.

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