Am Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München ist Radioaktivität ausgetreten - für Menschen und Umwelt hat nach Angaben der Betreiber zu keiner Zeit Gefahr bestanden. Der Jahresgrenzwert des radioaktiven Nuklids C-14 sei überschritten worden, teilte die Technische Universität München (TUM) als Betreiberin auf ihrer Homepage mit.

Es sei eine "geringfügige Überschreitung" des in der Betriebsgenehmigung festgelegten Wertes bei der C-14-Ableitung über den Kamin in die Atmosphäre festgestellt worden. Der Jahresgrenzwert sei um rund 15 Prozent überschritten worden, sagte FRM II-Sprecherin Anke Görg am Samstag. Bei einer Ausschöpfung des Grenzwertes liege die theoretische Belastung der Bevölkerung bei maximal drei Mikrosievert. Das sei weniger als der Wert bei einer Röntgenaufnahme beim Zahnarzt.

Die Emissionen fanden bereits vom 20. bis 26. März sowie vom 2. bis 7. April statt. Ein individueller Fehler bei der Montage der Trocknungseinrichtung habe die Ableitung des C-14 verursacht. Nach der Überschreitung der Werte seien alle Trocknungsvorgänge unverzüglich eingestellt worden, sagte Görg.

Altersbestimmung von Materialien

Das C-14, das etwa in der Archäologie zur Altersbestimmung organischer Materialien benutzt wird, hat laut Görg eine Halbwertzeit von 5.730 Jahren. Am FRM II entsteht es in Form von Kohlendioxid bei einer Kernreaktion im Reaktorbecken, das auch beim Stillstand des Reaktors gefüllt ist. Der Vorfall ereignete sich bei der routinemäßigen Reinigung des dortigen sogenannten Schweren Wassers. Dabei wird das C-14 über Ionenaustauscherharze gebunden, die dann getrocknet werden müssen.

Der FRM II ist wegen der Nutzung von hochangereichertem Uran umstritten. Atomgegner, Umweltschützer und Grüne kritisieren dies seit langem und forderten die Abschaltung, da dies der Betriebsgenehmigung von 2003 widerspreche. Sie sprechen von waffenfähigem Material. Derzeit gibt es Fortschritte bei der Suche nach einem neuen, niedriger angereicherten Brennstoff.

Wegen der Corona-Beschränkungen ist der Betrieb des Reaktors seit 17. März auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, da Gastwissenschafter nicht an Ort und Stelle arbeiten können. Welche Auswirkungen der Vorfall für den weiteren Betrieb habe, sei offen. Die Meldung sei nach der atomrechtlichen Meldeverordnung in die "Kategorie E" als eilbedürftig eingestuft worden, habe aber nach der internationalen Bewertungsskala (INES) die Stufe 0, das stehe für keine oder eine sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung. (dpa)