Im dritten Anlauf ging der Start über die Bühne: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben als erste arabische Nation eine Sonde in Richtung Mars geschickt. Eine in Japan entwickelte Trägerrakete vom Typ H2A hob in der Nacht auf Montag um 23.58 Uhr Mitteleuropäischer Zeit vom japanischen Weltraumbahnhof auf der Insel Tanegashima ab. Ursprünglich sollte die Rakete vergangene Woche abheben. Der Termin musste aber wegen ungünstiger Wetterlagen zwei Mal verschoben werden.

Die Sonde mit dem Namen "Al-Amal" (Hoffnung) soll im Februar 2021 ihre Umlaufbahn den Roten Planeten erreichen. Mitte des kommenden Jahres soll sie ihre Messungen aufnehmen. Ziel der Mission ist ein umfassendes Bild der Atmosphäre unseres äußeren Nachbarplaneten. "Al-Amal" soll auch die Veränderungen von Wetter und Jahreszeiten beobachten. Ein Mars-Jahr dauert 687 Erdentage.

Wohin mit dem Wasser?

Die 1350 Kilogramm schwere Raumsonde wurde an der Universität Colorado in der US-Stadt Boulder von Ingenieuren aus den USA und den Emiraten gebaut. Das Team will das Zusammenspiel verschiedener Atmosphärenschichten mit Klimafaktoren, sowie Temperatur, Wind, Staub und Wolken untersuchen. Die Erkenntnisse sollen auch einem besseren Verständnis der Erdatmosphäre dienen.

Mit an Bord hat "Al-Amal" drei Instrumente. Die Kamera "Emirates Exploration Imager" (EXI) soll die Eigenschaften des Wassereises, der Staub-Aerosole und des Ozonanteils in der Atmosphäre unter die Lupe nehmen. Das Spektrometer "Emirates Mars Ultraviolet Spectrometer" (EMUS) soll die globalen Eigenschaften sowie Veränderungen der Thermosphäre und der Wasserstoff- und Sauerstoff-Korona messen.

Das "Emirates Mars Infrared Spectrometer" (EMIRS) untersucht die globale Temperaturverteilung und den Gehalt von Wassereis, Wasserdampf und Staub in der Atmosphäre.

Durch die Untersuchung atmosphärischer Wasserstoff- und Sauerstoffanteile will das Team auch Antworten auf die Frage finden, warum der Mars seine obere Atmosphärenschicht verliert. Zudem wollen sie herausfinden, warum das Wasser auf dem Mars verschwunden ist. Die Ergebnisse sollen der Wissenschaft frei zur Verfügung gestellt werden. Rund 200 Hochschulen und Institute sollen dadurch erstmals die Gelegenheit haben, die Mars-Atmosphäre rund um die Uhr zu beobachten.

Die Mission dient auch der Wirtschafts- und Bildungsentwicklung in den VAE. Die Emirate wollen unabhängiger vom Erdöl werden und in einen exklusiven Klub aufgenommen werden: Bisher gelangen nur den USA, Indien, der früheren Sowjetunion und Europa Missionen mit Mars-Sonden. Die Emirate stecken immer mehr von ihren Erdöleinnahmen in neue Technologien.

Auch die USA und China wollen bis Ende des Monats davon profitieren, dass der Roten Planet mit 55 Millionen Kilometern Entfernung zur Erde derzeit schnell zu erreichen ist: So nahe kreist er nur alle 26 Monate.

Mars so nah wie selten

Die US-Mission Mars 2020 soll zwischen dem 30. Juli und dem 15. August vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abheben. Der Rover "Perseverance" (Ausdauer) soll ein Jahr auf der Marsoberfläche Gesteins- und Bodenproben im bisher unerforschten Jezero-Krater sammeln. Dies soll Rückschlüsse auf Lebensformen ermöglichen, die es möglicherweise früher auf dem Mars gab.

China will einen kleinen, ferngesteuerten Mars-Rover bis Ende Juli auf die sechsmonatige Reise schicken und erstmals den Mars erreichen. Sein Name "Tianwen" bedeutet "Fragen an den Himmel". Die russisch-europäische Mission "ExoMars" wurde hingegen wegen technischer Schwierigkeiten und der Corona-Pandemie von diesem Sommer auf 2022 verschoben. Auch Indien bereitet eine Mars-Mission vor, und Japan will 2024 eine Sonde zum Mars-Mond Phobos schicken. Der Konzern Mitsubishi Heavy Industries, der die H2A-Rakete für die VAE entwickelte, mischt im Konkurrenzkampf um die Beförderung von Weltraumflugkörpern mit.

Abgesehen von der Erde sei der Mars "der einzige Planet, bei dem wir Anzeichen früheren Lebens finden konnten", sagte kürzlich der Astrobiologe der französischen Weltraumbehörde CNES, Michel Viso. "Je mehr wir darüber lernen, desto mehr Hoffnung gibt es." (est/afp/reu)