Die ablehnende Haltung der Österreicher gegenüber Gentechnik bestätigt sich einmal mehr in einer internationalen Umfrage von deutschen und kanadischen Wissenschaftern. Untersucht wurde darin die Einstellung der Bevölkerung in Österreich, Deutschland, Italien, Kanada und den USA zu Erbgut (DNA) verändernden Methoden bei Menschen, Tieren und Pflanzen. In den abgefragten konkreten Beispielen zur Gen-Editierung war die Zustimmung in Österreich und Deutschland am geringsten.

Die Online-Umfrage mit rund 3.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (in Österreich 430) konzentrierte sich auf die Akzeptanz verschiedener Anwendungen der Genom-Editierung, wie etwa der Genschere CRISPR, bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Dazu wurden die Einstellungen zu fünf Szenarien abgefragt: Resistenz gegenüber dem HI-Virus beim Menschen, Resistenz von Weizen gegenüber Mehltau, Resistenz von Schweinen gegenüber dem PRRS-Virus, das Beschwerden bei Atemwegen und der Fortpflanzung hervorruft, Herstellung allergenfreier Milch und eine genetische Veränderung für einen stärkeren Muskelaufbau bei Rindern.

Zustimmung hängt vom Zweck ab

"Wir konnten beobachten, dass der Zweck der Genänderung eine große Rolle für die Bewertung spielt", sagte Erstautorin Gesa Busch von der Universität Göttingen in einer Aussendung. Insgesamt wird am besten der Einsatz der Genom-Editierung zur Schaffung von Krankheits-Resistenzen bei Mensch und Tier bewertet. Die wenigste Zustimmung erlangt der Einsatz zur Leistungssteigerung, etwa für den verstärkten Aufbau von Muskelmasse bei Rindern.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Österreich: Dort erhält das Szenario "Resistenz gegenüber dem HI-Virus" bei Menschen im Vergleich zu den anderen Beispielen die größte Zustimmung. Mit sinkender Akzeptanz folgen die Züchtung Mehltau-resistenter Weizensorten, PRRS-Virus-resistenter Schweine und die Herstellung von allergenfreier Milch. Der verstärkte Muskelaufbau bekommt den geringsten Zuspruch.

Die Wissenschafter identifizierten in der im Fachjournal "Agriculture and Human Values" veröffentlichten Arbeit vier Gruppen: starke und schwache Unterstützer, Neutrale und Gegner. In Österreich und Deutschland waren die "starken Unterstützer" mit jeweils rund 16 Prozent am geringsten, in Italien mit rund 27 Prozent am höchsten. Dagegen liegt Österreich mit einem Anteil von rund 36 Prozent an "Gegnern" deutlich an der Spitze, die wenigsten "Gegner" gibt es in den USA mit 14 Prozent.

Die in Österreich und Deutschland stark vertretene Gruppe der "Gegner" zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Frauen, religiösen Menschen und einen geringen Anteil an Menschen mit fundiertem Wissen zur Gentechnik aus. Zusätzlich ist in dieser Gruppe eine moralische Begründung der eigenen Einstellung hoch. (apa)