Nachdem 2021 der Mars im Mittelpunkt der Weltraumaktivitäten stand, sind für 2022 Missionen zu Mond, Jupiter und Asteroiden vorgesehen. Mit dem "Artemis"-Programm will die Nasa dort anschließen, wo die "Apollo"-Missionen aufgehört haben. Sie will die Rückkehr bemannter Raumflüge zum Erdtrabanten vorbereiten. Um zudem eine Basis für künftige Marsflüge zu schaffen, soll eine Raumstation in den Mondorbit gebracht und eine Basis auf der Mondoberfläche erbaut werden.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung soll der erste große Test der Raumkapsel "Orion" im Rahmen der Mission "Artemis 1" sein. Noch ohne Menschen an Bord, soll "Orion" samt einem von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA stammenden Service-Modul am 12. Februar Richtung Mond starten, diesen für eine Woche umrunden und zur Erde zurückkehren.

Im Rahmen des "Artemis"-Programms sollen auch Experimente zur Mondoberfläche gebracht werden. Die Lieferanten sind die privaten Unternehmen "Intuitive Machines" und "Astrobotic" im Rahmen von "Nasa Commercial Lunar Payload Services". Sie sollen Instrumente für Photovoltaik-Studien, zur Messung flüchtiger Stoffe oder zur autonomen Navigation auf dem Trabanten absetzen. All dies soll dazu beitragen, "den Weg für die erste Frau und den nächsten Mann zum Mond zu ebnen", so die Nasa, die dem Technologiekonzern Nokia übrigens auch den Zuschlag für den Aufbau eines Mobilfunknetzes am Mond erteilt hat.

Das am 25. Dezember von der Nasa gestartete "James Webb"-Teleskop soll Mitte 2022 erste Beobachtungsdaten liefern. Zu dieser Zeit ist auch der Start eines ESAWeltraumteleskops geplant: Die Sonde "Euclid" soll mit einem 1,2-Meter-Spiegel 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt die Rotverschiebung und die Form von Galaxien messen, und die Verteilung der Dunklen Materie im All sowie dessen Expansion erforschen. Möglicherweise erlaubt dies auch Rückschlüsse auf die wenig verstandene Dunkle Energie.

Weiters will die ESA ihre neue Trägerrakete "Ariane 6" starten und zum Jupiter aufbrechen. Im Mittelpunkt der Mission "Juice" (Jupiter Icy Moons Explorer) steht die Erforschung des Gasriesen und dessen Zusammenspiel mit seinen großen Monden. Sie soll im Juni 2022 starten und das Jupitersystem 2029 erreichen. Zudem beginnen spektakuläre Missionen zu Asteroiden, oder sie finden 2022 dort bereits ihr Ziel.

Die Weltraumfirma SpaceX von US-Milliardär Elon Musk will ihr für Mondlandungen konzipiertes Raumschiff "Starship" Anfang des Jahres erstmals die Erde umkreisen lassen. 2023 soll es für erste Transportflüge ins All einsatzbereit sein. Die Nasa will "Starship" frühestens 2025 als Landemodul im Rahmen des "Artemis"-Programms einsetzen. Auch die Firma Boeing plant einen Testflug des krisengebeutelten "Starliner"-Raumschiffs im Mai. Es soll künftig Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen.

Dass sich Geschichte wiederholt, zeigt der neue Wettlauf zum Mond. Die von Russland und der ESA geplante Mission "Luna 25" soll im Juli starten und nahe dessen Südpol landen - die erste russische Mondlandung seit "Luna 24" im Jahr 1976. Ziele sind die Suche nach Eis und die Vorbereitung weiterer Missionen. Am Rennen zum Erdtrabanten sind aber auch andere Länder beteiligt: Südkorea plant seine erste Mondmission, und der "Korea Pathfinder Lunar Orbiter" soll im August starten.

Noch einmal zum Mars

Nachdem Indiens Mondlandesonde "Chandrayaan 2" 2019 wegen eines Software-Fehlers auf der Oberfläche zerschellt ist, ist für das zweite Halbjahr ein neuer Versuch geplant. "Chandrayaan 3" soll den Orbiter nutzen, der mit "Chandrayaan 2" gestartet ist und den Trabanten umkreist.

Auch mit dem Mars ist man noch nicht fertig: Nach Problemen mit den Fallschirmen soll die russisch-europäische Mission "Exo-Mars" im September starten und im Juni 2023 landen. Mit dem Rover "Rosalind Franklin" will man nach Spuren von früherem Leben auf dem Roten Planeten suchen.