Das zu Weihnachten gestartete Weltraumteleskop James Webb hat in einer wichtigen und komplizierten Etappe seinen riesigen Sonnenschild voll entfaltet. "Alle fünf Schichten des Sonnenschilds sind vollständig gespannt", sagte eine Nasa-Mitarbeiterin am Dienstag im Kontrollzentrum in der US-Stadt Baltimore, während ihre Kollegen in Jubel ausbrachen. Mit dem Ausfahren des Schilds war am Montag begonnen worden.

Der wie ein Segel geformte Sonnenschild von der Größe eines Tennisplatzes schützt das Teleskop und seine sensiblen Instrumente vor Wärme und Licht. Seine haarfeinen Membrane bestehen aus Kapton, einem Material, das für seine Hitze- und Kältebeständigkeit bekannt ist.

Komplexer und riskanter Vorgang

Weil das Teleskop zu groß für die Ariane-5-Rakete war, musste es vor dem Start zusammengefaltet werden. Die Entfaltung im Weltraum war ein komplexer und riskanter Vorgang, der den Nasa-Verantwortlichen viele Sorgen bereitet hatte. "Wenn ich gefragt werde, was mich nachts wach hält, dann das Ausfahren des Sonnenschilds", hatte Projektmanager Bill Ochs vor der Mission betont.

Eine europäische Ariane-5-Rakete hatte den Nachfolger des legendären Hubble-Teleskops am Christtag vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guyana aus ins All gebracht.

Das James-Webb-Teleskop soll die Frühzeit des Universums vor 13 Milliarden Jahren und damit nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall erforschen. Astronomen versprechen sich Rückschlüsse auf die Bildung der ersten Sterne und Galaxien.

Entwicklung von Nasa, ESA und CSA

Das nach einem ehemaligen Direktor der US-Raumfahrtbehörde benannte Teleskop wurde gemeinsam von der US-Weltraumagentur Nasa, der europäischen Weltraumorganisation ESA und der kanadischen Weltraumbehörde CSA entwickelt. Auch das Max-Planck-Institut für Astronomie und die Universität Köln beteiligten sich. Die Wiener Weltraumfirma RUAG Space wirkte überdies an einem der drei Hauptinstrumente des Teleskops mit. So lieferte man zwei hochpräzise Mechanismen für das "Superauge" namens "NIRSpec" (Near Infrared Spectrograph). Dieses kann bis zu 100 Himmelskörper wie Galaxien oder Sterne gleichzeitig erfassen. Das Instrument hat eine Masse von rund 200 Kilogramm und wird im Weltraum bei einer Temperatur von minus 238 Grad Celsius arbeiten. Die Wiener Firma lieferte Geräte, die die präzise Halterung und Drehung eines Filterrades und eines Gitterrades des "Auges" ermöglichen.

Während der Endfertigung des Teleskops auf der Erde war ebenfalls rot-weiß-rote Technik im Einsatz: Die Vorrichtung, um das Weltraumobservatorium drehen und kippen zu können, stammt ebenfalls von RUAG Space. Das Unternehmen lieferte auch die Thermalisolation für die große Kommunikationsantenne des Teleskops.

Das 1989 gestartete Weltraumteleskop-Projekt sollte ursprünglich Anfang der 2000er-Jahre in Betrieb gehen. Immer neue Probleme verzögerten das Vorhaben jedoch jahrelang, die Kosten verdreifachten sich auf fast zehn Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro). Auch der Start musste dann mehrfach verschoben werden. (apa)