Russlands Raumfahrtchef Dmitri Rogosin hat die USA vor einem möglicherweise überstürzten Ende der Zusammenarbeit auf der Internationalen Raumstation ISS gewarnt. Eine Kooperation sei für den sicheren Betrieb der Station notwendig, schrieb der Leiter der Raumfahrtbehörde im Nachrichtenkanal Telegram vor dem Hintergrund neuer Sanktionen Washingtons als Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine.

Wenn sich die Amerikaner einer weiteren Zusammenarbeit verweigern sollten, "wer wird dann die ISS davor vor einem möglicherweise unkontrollierten Absteigen aus der Umlaufbahn und einem Absturz auf amerikanisches oder europäisches Territorium bewahren?" Nicht ausgeschlossen, dass die Reste der ISS auf Indien oder China stürzen könnten. Ein Aus der ISS steht derzeit aber nicht zur Debatte.

Trotz vieler Konflikte zwischen Moskau und Washington galt die Raumfahrt stets als einer der wenigen Bereiche, wo die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern funktioniert hat. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte zum Jahreswechsel einem Weiterbetrieb der ISS bis 2030 zugestimmt. Roskosmos wollte eine entsprechende Verlängerung nun der Regierung in Moskau vorschlagen.

Roskosmos hatte der Agentur Tass zufolge am Donnerstag sogar mitgeteilt, sie werde ihre internationalen Verpflichtungen erfüllen. Dazu gehörten der Unterhalt der Internationalen Raumstation ISS und Flüge dahin.

Wörner hofft auf Fortsetzung der Zusammenarbeit

Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner hatte zuvor gesagt, er hoffe trotz des russischen Einmarschs in die Ukraine auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Westen bei der Erforschung des Weltalls. "Ich hoffe, dass Raumfahrt am Ende über den geopolitischen Schwierigkeiten steht. Auch im Kalten Krieg gab es etwa das Ankoppeln eines Apollo- und eines Sojus-Raumschiffs 1975", sagte Wörner der Deutschen Presse-Agentur. Der 67-Jährige leitete von 2015 bis Februar 2021 die Europäische Raumfahrtbehörde Esa in Paris.

Wörner sprach sich für eine Verlängerung des Betriebs der Internationalen Raumstation ISS aus. "Die ISS ist ein Friedensprojekt. Inmitten der Spannungen um die russische Annexion der Krim 2014 war damals Alexander Gerst mit einen russischen und einem US-amerikanischen Kollegen im All. Das war mehr als symbolisch. Raumfahrt kann eine Brücke zwischen Nationen sein", sagte der jetzige Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

Derzeit arbeitet ein deutscher Astronaut mit vier US-Amerikanern und zwei Russen auf dem Außenposten der Menschheit. (apa/dpa)