Die Objekte um ihn herum begannen zu schweben, er beherzigte den Rat eines Raumfahrerkollegen, nicht zu viel aus dem Fenster zu schauen, und die Augenbewegungen fielen schwer - so fasste Österreichs einziger Astronaut, Franz Viehböck, seinen Eintritt in die Schwerelosigkeit zusammen. Der Handbucheintrag dazu lässt sich nun im Technischen Museum Wien (TMW) nachlesen, wo sich seit Mittwoch ein neuer Bereich in der Dauerausstellung der heimischen Raumfahrtsgeschichte widmet.

Die Erfahrungen Viehböcks im Rahmen der "Austromir"-Mission im Jahr 1991 konnte bisher bekanntlich kein weiterer Österreich machen - sehr zum Bedauern des "Austronauten", der einige seiner Erinnerungsstücke für die Neuaufstellung im TMW zur Verfügung stellt. So findet sich das Handbuch in einer großen Vitrine neben dem Original-Raumanzug. Damit und mit vielen weiteren Objekten erfahre die Geschichte der österreichischen Raumfahrt eine deutliche Aufwertung in der Dauerausstellung des Hauses in Wien-Penzing. Man wolle "innovativen Projekten eine Plattform bieten und zeigen, wie weitreichend die Auswirkungen dieses Zukunftsthemas sind", so Generaldirektor Peter Aufreiter.

17 Experimente als "Wissenschaftskosmonaut"

Der Start am 2. Oktober 1991 läutete für Viehböck eine Woche ein, die er vor allem als "Wissenschaftskosmonaut" auf der Raumstation Mir verbrachte. Die 17 dort durchgeführten Experimente hätten Österreichs Wissenschaft und Technik durchaus nachhaltig beeinflusst, wie Kurator Christian Klösch der APA erklärte. Er hat sich um das 30-Jahr-Jubiläum auf die Spur der Mission und der von ihr verbliebenen Objekte gemacht. Vieles davon fand sich etwa an den Technischen Universtäten (TU) in Graz und Wien, die viele der Experimente auf den Weg brachten und die Mission federführend vorantrieben. Nun sind einige Stücke Teil der TMW-Sammlung und -Ausstellung und damit denkmalgeschützt.

Eines der "Austromir"-Experimente war das "Dosimir"-Projekt. Ein Team um Norbert Vana vom Wiener Atominstitut hat damals Messungen der kosmischen- und Sonnenstrahlung mittels sogenannter "Dosimeter" vorangetrieben. Damit war man "federführend weltweit", was sich nun auch darin ausdrückt, dass die österreichischen Dosimeter heute noch auf der Internationalen Raumstation (ISS) in Gebrauch sind, und auch bei künftigen Mondmissionen zum Einsatz kommen sollen. Die Auswertung der Aufzeichnungen erfolgt immer noch am zur TU Wien gehörenden Atominstitut.

Pionierprojekt "Logion" lebt weiter

Mit im Gepäck hatte Viehböck auch das ebenfalls im TMW gezeigte "Logion"-Projekt. Damals wurden erstmals Ionenstrahler ins All gebracht. Das Pionierprojekt lebt bis heute weiter. So hat das Unternehmen Enpulsion, ein Spin-off der Fachhochschule Wiener Neustadt (NÖ), die Technologie derart weiterentwickelt, dass die Ionenstrahlen heute als Triebwerke für Kleinsatelliten eingesetzt werden, denn sie erzeugen einen stetigen Rückstoß, mit dem Satelliten in die richtige Bahn navigieren können. Der Ionenantrieb sei chemischen Pendants gegenüber im Vorteil, so Klösch.

So spannt der neue Schaubereich einen Bogen von der von 1987 bis 1992 dauernden "Austromir"-Mission in Richtung der heutigen Weltraum-Hardwareindustrie Österreichs mit Firmen wie Beyond Gravity (vormals Ruag Space), TTTech oder Peak Technology und ihren Produkten. Letztlich könne man sagen, dass die Gesamtkosten von "Austromir" in Höhe von rund 230 Millionen Schilling - das würde heute in etwa 28,75 Mio. Euro entsprechen - einen nicht unerheblichen Effekt auf die wissenschaftliche Landschaft Österreichs und den Bereich der Technologieentwicklung gebracht haben, so Klösch. Zum Vergleich: Will man als Weltraumtourist zur Zeit mit der NASA eine Woche auf die ISS fliegen, schlägt das mit 43 Mio. Euro zu Buche. (apa)