Präzisionsmessungen des W-Boson könnten grundlegende Annahmen der Teilchenphysik infrage stellen. Denn die Masse dieses Elementarteilchens ist weitaus größer als angenommen. Das zeigen Messungen mit dem Collider Detector am Fermilab- Zentrum für Teilchenphysik nahe Chicago im US-Staat Illinois. Der Beschleunigerring ist auf die Untersuchung der Produktion und des Zerfalls schwerer Elementarteilchen, die kurz nach dem Urknall entstanden sind, spezialisiert.

Die neuen Messungen weichen vom maßgeblichen Standardmodell der Teilchenphysik ab. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsteam, das die Messungen ausgewertet hat, im Fachmagazin "Science". Das Standardmodell beschreibt die grundlegenden Kräfte, die den Kosmos zusammenhalten, die bekannten Elementarteilchen und die wichtigen Wechselwirkungen zwischen ihnen. Wenn die Abweichungen sich bestätigen, könnte die Physik daraus Hinweise für Schwachstellen im Standardmodell gewinnen. Auch Einblicke in eine neue Physik, die Dunkle Materie und Dunkle Energie erklärt, könnten die Folge sein.

Grundpfeiler der Theorie

Das W-Boson ist ein Eichboson. Es vermittelt ebenso wie das mit ihm verwandte Z-Boson die schwache Wechselwirkung, eine der Grundkräfte. Seine Existenz wurde in den 1960er Jahren vorhergesagt und in den 1980er Jahren bestätigt. Während das Z-Boson neutral ist, trägt das W-Boson eine elektrische Ladung. Laut dem Team ist die Masse des W-Boson höher als in der Theorie angenommen. "Damit ist ein grundlegendes Element des Standardmodelles infrage gestellt, das man für gut etabliert hielt," schreiben die Forscher.