Finnische Forscher haben eine transparente Folie entwickelt, die zu 100 Prozent aus Zellulose besteht und in Zukunft Plastik in hybriden Lebensmittelverpackungen ersetzen soll. Die Folie wird bereits in einem Forschungsbetrieb in Espoo produziert und soll in zwei Jahren marktreif und somit industriell einsetzbar sein.

Den Anstoß zur Entwicklung der Folie lieferte den Forschern des staatlichen finnischen Forschungsinstituts VTT die Einwegplastik-Richtlinie der EU. Die im Juli 2019 verabschiedete Direktive ist darauf ausgerichtet, den Plastikmüll in der Umwelt so weit wie möglich zu reduzieren.

Innerhalb von zwei Jahren entwickelte ein Team um Forschungsprofessor Ali Harlin eine Folie, die dieselben Eigenschaften wie Erdöl-basierte Plastikfolie besitzt, aber zu 100 Prozent aus regenerierter oder rekristallisierter Zellulose besteht. "Die Folie hält Feuchtigkeit ab, in der Natur verschwindet sie aber vollständig wie Papier", erklärt Harlin die Besonderheit der neuen Entwicklung.

Wie Papier recyceln

Folglich kann die Folie auch wie Papier recycelt werden. Dadurch könnten hybride Verpackungen, die derzeit aus Papier und Plastik bestehen, wie etwa Pastaschachteln mit Sichtfenster oder plastikbeschichtete Papierverpackungen, mit der Zellulosefolie ausgestattet künftig problemlos im Altpapiercontainer entsorgt werden. Derzeit landen Hybridverpackungen meist im Restmüll. Wenn sie im Altpapier landen, kann das Plastik zwar getrennt werden, dieses wird dann meist aber verbrannt.

Im Frühjahr dieses Jahres begann man bei VTT bereits mit der Pilotproduktion der Folie. In der institutseigenen Anlage können pro Minute 15 Meter Folienband mit 30 Zentimeter Breite hergestellt werden. In den kommenden zwei Jahren wollen Harlin und seine Kollegen nun ausloten, exakt für welche Anwendungen die Folie geeignet ist und ein Wirtschaftsmodell erstellen, damit die Folie in einigen Jahren auf breiter Basis industriell genutzt werden kann. Für die industrielle Fertigung könnten bestehende Produktionsanlagen genutzt werden. Es brauche keine technische Aufrüstung für die Umstellung von Plastik- auf Zellulosefolie, so Harlin im Gespräch mit der APA.

Ausschließlich wiederaufbereitete Zellulose

Als Rohstoff für die Folie soll ausschließlich wiederaufbereitete Zellulose dienen, betont Harlin. "Es gibt genug Zellulose in der Welt, man muss dafür nicht wertvolle boreale Wälder abholzen." Es gehe aber darum, herauszufinden, welche Arten von Papiermasse sich für die Herstellung der neuen Folie am besten eignen.

Der Weltmarkt von Plastikfolie wurde vergangenes Jahr auf ein Volumen von 110 Milliarden Dollar (103,99 Mrd. Euro) geschätzt. Hinsichtlich des kommerziellen Potenzials der neuen Zellulosefolie ist man bei VTT daher zuversichtlich. (apa)