Der seit März 2021 amtierende, aus Österreich stammende Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Josef Aschbacher, erwartet, dass Österreich seine Beiträge zur ESA "signifikant erhöht". Andernfalls stehe zu befürchten, dass die hierzulande vorhandenen Kapazitäten im Weltraumbereich "gefährdet sind und ins Ausland abwandern", sagte er am Dienstagnachmittag in Wien bei einer Pressekonferenz anlässlich der 35-jährigen Vollmitgliedschaft Österreichs bei der ESA.

Österreich wurde mit 1. Jänner 1987 Vollmitglied bei der ESA. Deren Budget setzt sich zum größten Teil aus Beiträgen der Mitgliedsstaaten zusammen, dazu kommen Teilbeträge von der EU und anderen Organisationen.

Für das laufende Jahr gibt die Raumfahrtbehörde ihr Gesamtbudget mit 7,15 Milliarden Euro an. Rund zwei Drittel davon, oder 4,81 Milliarden Euro, kommen von den ESA-Mitgliedsstaaten. Mit einem Beitrag von 49,8 Millionen Euro beträgt der Anteil Österreichs an den von den Mitgliedsstaaten finanzierten Budgets für Aktivitäten und Programme ein Prozent. Das ist nominell zwar mehr als 2009 (43,4 Millionen Euro), damals betrug der Anteil Österreichs am Gesamtkuchen allerdings noch 1,54 Prozent.

Pflicht- und Wahlprogramme

Das von den Mitgliedsländern stammende ESA-Budget besteht aus einem Pflichtbeitrag, den jedes Mitgliedsland basierend auf seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezahlt - für Österreich liege das bei 2,12 Prozent, sagte Aschbacher. Die anderen 80 Prozent der Beiträge seien optionale Programme (Wahlprogramme), an denen sich ein Land beteiligen kann oder nicht, etwa ein konkretes Satellitenprojekt, eine Umweltmission oder eine Rakete. "Es wäre meine Erwartung, dass Österreich auch im optionalen Bereich in diese Größenordnung (2,12 Prozent, Anm.) kommt, dieser Bereich ist derzeit noch nicht so ausgestattet", sagte Aschbacher im Hinblick auf die nächste ESA-Ministerkonferenz im November, wo das Budget für die nächsten drei Jahre beschlossen wird.

Bei der letzten Ministerkonferenz 2019 hatte Österreich seine Beiträge für die Wahlprogramme gegenüber 2016 gesenkt, auch in Bereichen wie Erdbeobachtung. Das räumte auch die für die heimischen Weltraumagenden zuständige Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) ein und verwies dabei auf die damals in Amt befindliche Übergangsregierung. Sie habe aber deshalb Konjunkturmittel für eine Nachzeichnung von Programmen zur Verfügung gestellt. Im Hinblick auf die herbstliche Ministerkonferenz werde gemeinsam mit der heimischen Weltraumbranche eine Erhebung über deren Einschätzung, Potenziale und Perspektiven gemacht. "Auf dieser Basis machen wir einen Vorschlag im Hinblick auf die nationale Budgetverhandlung", sagte Gewessler.

Sie verwies auf die "hochkompetente Zulieferindustrie" in Österreich mit rund 200 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit mehr als 1.500 Beschäftigten, die einen Umsatz von über 140 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaften. Jeder Euro, der in ein Weltraumprojekt investiert wird, bringe drei bis fünf Euro zurück in die Wirtschaft. Angesichts dessen könne es sich Österreich "fast nicht leisten, sich nicht stärker zu beteiligen", meinte Aschbacher.

Der ESA-Chef braucht aber nicht nur von Österreich höhere Beiträge - geht er doch, wie er sagte, mit einem Budgetvorschlag in die Ministerkonferenz, der um rund 50 Prozent höher als der letzte sei. "Ich werde dort ein sehr ambitiöses Programm auflegen, weil ich glaube, dass trotz aller Schwierigkeiten und Probleme, die wir alltäglich haben, der Weltraum essenziell für die Gesellschaft in Europa ist", sagte Aschbacher. Er unterstrich auch die Notwendigkeit der Autonomie des europäischen Weltraumsektors: "Wir müssen uns unabhängiger machen."