Österreich ist seit 35 Jahren Vollmitglied der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Generaldirektor Josef Aschbacher, ein gebürtiger Tiroler, gab am Rande der Jubiläumsveranstaltung in Wien der "Wiener Zeitung" ein Interview zu seinen Plänen.

"Wiener Zeitung": Laut einem Strategiepapier der ESA soll ein Europäer bis 2040 bei der ersten bemannten Mission zum Mars dabei sein. Gibt es Details?

Josef Aschbacher: Wir fliegen wahrscheinlich gemeinsam mit anderen Nationen und ich gehe davon aus, dass auch dann die Kooperation mit der Nasa so hervorragend sein wird wie heute. Eine Mars-Mission erfordert Technologien, die wir noch nicht haben. Somit ist nicht vorhersehbar, ob wir 2038, 2040 oder 2045 starten.

Selbst große Kooperationsprojekte im All können aufgekündigt werden, jüngst durch die ESA, die ihre geplante Exomars-Mission nicht mit Russland fortsetzt. Welche Hilfe bietet Ihnen jetzt die US-Agentur Nasa?

Es ist nicht möglich, diese Kooperation mit Russland weiterzuführen. Doch den Rover ins Museum zu stecken, wäre die schlechteste Option. In den letzten Monaten haben wir mit der Nasa intensiv verhandelt. Noch ist nichts beschlossen, aber die Aussicht auf eine gemeinsame Mission steht gut. Wir wollen sie bei der nächsten ESA-Ministerratskonferenz im November offiziell machen und mit Budget ausstatten.

Welche Aufgabenteilung ist geplant?

Die Idee wäre, dass die Nasa die Rakete und damit den Transport in den Orbit bereit stellt. Der Lander wird aus einer Mischung von europäischen und amerikanischen Bauteilen bestehen. Auch für einige Komponenten, die delikat und komplex sind, - etwa ein variabler Motor für die Landung -, möchten wir die Hilfe Amerikas beanspruchen. Der Rover "Rosalind Franklin" ist bis auf eine Komponente, die ihn in der kalten Mars-Nacht beheizt und somit funktionsfähig hält, europäisch.

Russland will einen Erkundungsflug zum Mars alleine durchführen. Für wie realistisch halten Sie dies?

Soweit ich es einschätzen kann, wird eine Mission für Roskosmos ohne Europa nicht so schnell machbar sein.

Wie beziffern Sie den Schaden, den das Zerwürfnis zwischen Moskau und dem Westen die Weltraumforschung kostet?

In den vergangenen 15 Jahren haben wir 1,1 Milliarden Euro in Exomars investiert. Jetzt müssen wir das Projekt selbst weiterführen und brauchen neue Mittel von 500 bis 600 Millionen Euro. Die USA werden einen guten Teil dessen wahrscheinlich abdecken können, somit erleichtert uns die Möglichkeit, dass sie als starker Partner einsteigen, den Finanzierungsbedarf. Auch der wissenschaftliche Verlust lässt sich wettmachen: Selbst wenn der Rover einige Jahre später landet, wird er immer noch die ersten Bohrungen dieser Sorte auf dem Mars durchführen.

"Unsere Ambitionen für ein starkes, autonomes und widerstandsfähiges Europa im Weltraum zu verwirklichen, waren noch nie so wichtig wie heute", sagten Sie kürzlich. Gelten im Weltraum wieder alte Allianzen?

Es wird kein Krieg der Sterne sein, aber sicher ein Wettlauf, an dem sich mehrere beteiligen - also Länder und Institutionen, die von den USA und China finanziert werden, aber auch Europa. Neu ist die Beteiligung von Privatunternehmen, die ganz klar kommerzielle Interessen und strategische Ziele verfolgen, weil hier wirklich Geld zu machen ist.

In der ESA befasst sich ein Direktorat mit der Kommerzialisierung des Weltraums. Thema Nummer eins?

Vieles. Wir befassen uns derzeit etwa mit privaten kosmischen Raumstationen, da die Internationale Raumstation ISS mit Ende der Dekade nicht mehr existieren wird. Es gibt Firmen in den USA, die mit Unterstützung der Nasa solche privaten Raumstationen aufbauen, und die Frage ist, ob Europa ein Teil dieses kommerziellen Unternehmens sein wird. Wird es ein Zimmer in dem Hotel mieten, das eine amerikanische Firma anbietet, oder aber ein eigenes Haus mit eigenen Kapazitäten haben, um wissenschaftliche Experimente durchzuführen? Diese Frage stelle ich Politikern und Entscheidungsträgern in den Mitgliedsländern. Europa muss für sich beantworten, wie es die Ressourcen im All und auch auf dem Mond nutzen will.

Stichwort Mond: Drei ESA-Raumfahrer sollen zum geplanten Außenposten "Gateway" fliegen, der ihn umkreisen soll. Wann geht es los?

Das ist noch nicht klar, aber in der ESA setze ich einen Schwerpunkt auf bemannte Raumfahrt, auch weil die Kommerzialisierung sich entfaltet. Der Weltraum und auch der Mond werden der nächste Wirtschaftsraum werden. Vor 500 Jahren ist Christoph Columbus losgesegelt und hat einen neuen Kontinent entdeckt. Das führte dazu, dass Europa als geopolitisches Zentrum Wohlstand und Sicherheit für die Bürger aufbauen konnte. Heute tun sich im Weltraum neue Möglichkeiten auf, etwa, indem wir Bodenschätze abbauen, und Österreich hat viel Kapazität, sich zu beteiligen.

Welchen Beitrag leistet Österreich zu diesen Projekten?

Österreichs Technologie ist gut vertreten, auch die Nasa kauft bei uns ein. Ziel der ESA ist, durch die Projekte, an denen sich Österreich beteiligt, die heimische Wissenschaft und Industrie aufzubauen. Mittlerweile gibt es eine lange Liste erfolgreicher Unternehmen in dieser Sparten. Wir haben Firmen und Institutionen von Weltformat, die Technologie für Raumfahrt-Missionen und Satelliten entwickeln und bauen, oder in der Erdbeobachtung oder Klimaforschung betätig sind. Auch am Bau von Exomars und "Gateway" ist Österreich beteiligt.

1991 flog Österreichs bisher einziger Kosmonaut, Franz Viehböck, ins All. Wann startet ein zweiter heimischen Astronauten ins All?

Derzeit suchen wir aus 23.000 Bewerbern Astronauten aus und die Auswahl wird im November getroffen.