Vier Jahre lang hat man mit 28 Partnern und einem Projektvolumen von rund 4,6 Millionen Euro im Forschungsprojekt ThermaFLEX nach Lösungen gesucht, wie die bestehende Wärmeleitungsinfrastruktur effizient genutzt und erweitert werden kann. Am Dienstag wurden in Wien die Ergebnisse präsentiert. "Wir haben super Lösungen gefunden. Acht sind schon umgesetzt, drei in der Umsetzung", sagte Projektleiter Joachim Kelz vom AEE - Institut für Nachhaltige Technologien (AEE INTEC).

Ziel bei dem von Green Energy Lab koordinierten Projekt war es, anhand von "Demonstratoren" in der Steiermark, Salzburg und Wien aufzuzeigen, wie viele Optimierungsmöglichkeiten in den bestehenden Fernwärmenetzen stecken. "Es gibt große schlummernde Potenziale", sagte Theresia Vogel, die Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds, "da muss man aber mit Innovation arbeiten, um sie zu nützen". Die Möglichkeiten scheinen vielfältig, sie reichen von technischen bis zu systemischen Lösungen. Da diese an real bestehenden Wärmenetzen ausprobiert wurden, sei es einer "Operation am offenen Herzen" gleichgekommen, meinte Kelz und zeigte sich sicher: Die Operation ist gelungen.

In Gleisdorf kann etwa durch eine Sektorkoppelung die Kläranlage künftig fürs Fernwärmenetz genutzt werden. In Mürzzuschlag wird Großsolarthermie auf einem ehemaligen Skihang genutzt und mit dem Wärmenetz im Tal verbunden. In Leibnitz konnte durch die Verbindung zweier bestehender Wärmenetze der "Gaskesseleinsatz auf ein Minimum reduziert werden". "Wir haben gesehen, dass der Wärmeaustausch enorme Reduktionspotenziale birgt", sagte Kelz, für den die "Abwärmenutzung ein zentraler Aspekt für die Zukunft" ist.

Erstmals wurde im Rahmen von ThermaFLEX auch die Abwärme der Therme Wien genutzt. "Die Wärmeenergie im Badewasser ist bisher komplett ungenutzt in den Kanal geflossen", schilderte Linda Kirchberger, Geschäftsbereichsleiterin bei Wien Energie. Nun wird Abwasser von 30 Grad mit Wärmepumpen auf 85 Grad aufgeheizt und versorgt seit Mai rund 1.900 Haushalte mit Wärme. Auch im Fernheizwerk Spittelau werden zwei Wärmepumpen installiert, mit denen die im Rauchgas enthaltene Energie genutzt wird. "Wichtig ist, dass wir gemeinsam ins Tun kommen. Nur Reden über die Klimakrise wird sie nicht lösen", so Kirchberger.

Damit wie angestrebt die Wien Energie 2040 tatsächlich nur mit erneuerbarer Energie arbeitet, ist freilich noch viel zu tun. Der Energiemix besteht bei der Wiener Fernwärme laut Kirchberger derzeit zu 40 Prozent aus Müllverbrennung, zu 10 Prozent aus Industriewärme, der große Rest kommt überwiegend aus kalorischen Kraftwerken. Um die Energiewende zu schaffen, setzt man auf Projekte wie die "Großwärmepumpe Simmering", ein großes Geothermieprojekt und auf die Prognose, dass die Wärme-Nachfrage durch bessere Isolierung und Effizienzsteigerungen künftig sinken wird.

Die im Rahmen von ThermaFLEX entwickelten Vorzeigeprojekte wiesen einen beeindruckenden "Impact" auf, sagte Kelz. "Rund 200 Gigawattstunden an Wärme sind nun zusätzlich erzeugbar, plakativ gesagt sind das 20.000 Haushalte." 45.000 Tonnen CO2 würden nun jährlich eingespart, die Effizienzsteigerung der Anlagen betrage bis zu 30 Prozent, die fossile Anteile konnten um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Österreichweit seien 2.500 bis 3.500 Wärme- und Mikronetze in Betrieb, so der Projektleiter. "Ich sage nicht, dass es für alle Lösungen aus dem Projekt gibt, aber sicher für sehr viele. Das war unser Ziel: zu zeigen, dass es möglich ist. Das ist uns gelungen."

"Es gibt unendlich viele Potenziale, die einfach ausprobiert werden müssen", resümierte Henriette Spyra, Leiterin der Sektion III "Innovation und Technologie" im Umwelt- und Klimaministerium und gab die Parole aus: "Einfach weitermachen! Man muss weiter Vorzeigeprojekte fördern." Mit der bestehenden Förderstruktur mehr Dynamik zu gewinnen, sei allerdings nicht ganz einfach, gab Theresia Vogel zu bedenken. "Wie schaffen wir das, größere Projekte gebündelt auf den Weg zu bringen? Unsere Kunst wird es sein, die Dinge möglichst gut zu kombinieren." (apa)