Er ist so groß wie ein Mikrowellenherd und wiegt nur 25 Kilo: Der US-Satellit "Capstone" wird als erstes Raumfahrzeug den Mond in einer einzigartig elliptischen Umlaufbahn umkreisen. Der Mini-Satellit konnte in den vorgesehenen Mond-Orbit gebracht werden, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am späten Sonntagabend mit.

"Capstone" steht für "Cislunar Autonomous Positioning System Technology Operations and Navigation Experiment" und das wiederum steht für die Aufgabe, ein Navigationsverfahren im cislunaren Raum, also im Bereich zwischen Mond und Erde, zu testen.

Der Satellit wurde am 28. Juni im Auftrag der Nasa an Bord einer "Electron"-Rakete der Firma Rocket Lab von Neuseeland aus gestartet. Am 4. Juli schwenkte er auf den Weg zum Mond ein.

Anders als äquatornahe Bahnen, wie sie etwa bei den Apollo-Missionen genutzt wurden, ermöglicht der elliptische Orbit dem Gerät einen ständigen Sicht- und Funkkontakt zur Erde. Der "Halo-Orbit" ("Heiligenschein-Umlaufbahn"), wie die Nasa sagt, eignet sich laut Berechnungen auch als Ausgangspunkt für Mondlandungen in verschiedenen Breitengraden. Sowohl die Positionierung als auch die Möglichkeit zum ständigen Kontakt sind für den Bau der geplanten Raumstation "Lunar Orbital Platform-Gateway" besonders wichtig. Die Raumstation, an der neben der Nasa auch die europäische Agentur ESA beteiligt ist, soll künftig den Mond umkreisen.

"Artemis"-Mondmission soll diese Woche starten

Eine weitere Aufgabe des Satelliten "Capstone" ist es, ein indirektes Navigationsverfahren zu erproben. Das Gerät soll seine Position relativ zu dem Mondsatelliten "Lunar Reconnaissance Orbiter", den die Nasa bereits 2009 zum Mond gestartet hatte, bestimmen. Die ältere Sonde navigiert mit der Unterstützung von Erdstationen.

Die Tests sind Teil des ehrgeizigen Artemis-Programms, mit dem die USA nach 50 Jahren wieder Astronauten auf dem Mond bringen wollen. "Gateway" ist Teil des Programms, dessen erste Ausbaustufen nach derzeitiger, wohl kaum einzuhaltender Planung ab Ende 2024 den Mond umrunden sollen. Die neue Raumstation soll als permanente Basis für Astronauten auf dem Weg zum Mond und irgendwann auch auf der Reise zum Mars dienen. Anders als die Internationale Raumstation ISS soll sie nicht durchgängig besetzt sein. "Capstone" bildet, wenn man so will, die Vorhut: Der Satellit soll das Risiko für künftige Raumfahrzeuge abschätzen, indem er innovative Navigationstechnologien validiert und die Dynamik der Umlaufbahn auf die Probe stellt.

Dass viele Hürden zu nehmen sind, bevor die Menschheit tatsächlich das All besiedeln kann, verdeutlicht der mehrmals verschobene Start der ersten unbemannten Rakete "Artemis 1" im Rahmen der US-Mission zum Mond. Diese stand bisher unter keinem guten Stern: Zunächst waren zwei Startversuche wegen technischer Probleme, darunter ein undichter Tankschlauch, abgebrochen worden. Zuletzt musste ein für Ende September geplanter Start wegen eines Tropensturms abgesagt werden. Nach Auskunft der Nasa hat die neue Mondrakete den Hurrikan "Nicole" in Florida jedoch weitgehend unbeschadet überstanden. Bei Kamera-Inspektionen seien nur geringfügige Schäden, wie etwa lose Dichtungen oder Risse im Wetterschutz, entdeckt worden.

Jetzt will die Nasa "Artemis 1" am Mittwoch um 1.04 Uhr Ortszeit (7.04 Uhr MEZ) mit einer unbemannten Orion-Kapsel ins All bringen, mit einem Startfenster von zwei Stunden. Es ist die dritte Verschiebung innerhalb weniger Monate. Bei der unbemannten Mission sollen die Riesenrakete SLS und die an ihrer Spitze sitzende Orion-Kapsel unter realen Bedingungen getestet werden. Die Folgemission "Artemis 2" soll Astronauten in eine Mond-Umlaufbahn bringen. Mit "Artemis 3" soll dann frühestens 2025 eine erneute Mondlandung glücken.(est)