Wolfgang Hummel, Branchenexperte der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), erklärte zuletzt recht häufig, unter anderem im Deutschen Anlegerfernsehen, dass die Zeit nicht die beste sei, um in Solaraktien zu investieren. "Die Gefahr ist groß, dass (einige) Unternehmen vom Markt verschwinden", betonte er. Die unübliche Reaktion der renommierten HTW daraufhin zeigte, wie sehr die Nerven derzeit in Deutschland blankliegen. Herr Hummel sei nicht der Solarexperte der Universität und äußere lediglich seine Privatmeinung, hieß es wenig später auf der Homepage. Und das, obwohl sich die Meinung des offiziellen Solarexperten der HTW, Volker Quaschning, auf den ersten Blick nicht besonders von der Meinung seines Kollegen unterscheidet: "Es gibt derzeit eine klare Marktbereinigung. Noch existieren einige 100 Solarunternehmen, in zwei, drei Jahren sieht das anders aus", erklärt Quaschning im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das sei aber ein natürlicher Prozess. "Langfristig wird es so sein wie in der Automobilindustrie, wo auch nur 20 Große überlebt haben." Dass einige Unternehmen nun Pleite gehen, sei auf Management-Fehler zurückzuführen.

Falsche Entscheidungen

Noch vor drei Jahren war Silizium, das für die Herstellung von Solarzellen notwendig ist, relativ teuer. Deutsche Unternehmen hätten sich langfristig mit dem Rohstoff eingekauft, während später der Preis gefallen sei und die asiatische Konkurrenz sich am Spotmarkt billig eingekauft habe, betont Quaschning. Zudem profitieren asiatische Unternehmen von günstigen staatlichen Krediten. "Das heißt aber nicht, dass es der Solarbranche insgesamt schlecht geht", so der HTW-Experte. Auch für Europa bestehe Hoffnung. "Kurzfristig wird uns Asien den Markt wegnehmen. Langfristig glaube ich aber, dass der Trend zu maßgeschneiderten Lösungen in Gebäuden gehen wird. Dafür nützt die Serienproduktion von der Stange dann nichts." Zudem werden Solarzellen irgendwann so günstig sein, dass sich die Transportkosten nicht rentieren: "Es gibt auch keine chinesischen Fensterscheiben in Deutschland. Obwohl die in China wahrscheinlich billiger sind."