Wien. (gral/ag) Anton, Bodenbelag, Cocacola, Dorfkirche. Hinter dieser Wortreihe, die beim Zollvorsteher endet und ohne Zusammenhang zu sein scheint, versteckt sich das Morsealphabet von A bis Z - ein Verfahren zur Übermittlung von Buchstaben und Zeichen. Vor allem Anfänger, die in die Morsemethode hineinschnuppern wollen, bedienen sich dieser Merkwörter. Der Nachteil dieser Lernmethode ist, dass sie von Wörtern auf Buchstaben schließt, was länger dauert. Und genau das hat Samuel Morse mit seinen Punkt-Strich- beziehungsweise Kurz-lang-kurz-Signalfolgen nicht im Sinn gehabt.

Samuel Morse verschlüsselte die Sprache mit Symbolen. - © © CORBIS
Samuel Morse verschlüsselte die Sprache mit Symbolen. - © © CORBIS

Heute, Dienstag, vor genau 175 Jahren - im Jahr 1837 - präsentierte der US-Hobby-Tüftler an einer New Yorker Universität seinen ersten elektromagnetischen Telegrafen. Die Erfindung machte Morse zum Pionier der modernen Telekommunikation und ermöglichte die später intensiv genutzte elektrische Übertragung von Texten über weite Entfernungen.

Am Anfang standen kryptische Zahlenkombinationen, die Morse später gemeinsam mit Kollegen durch den nach ihm benannten Morsecode ersetzte. In Folge wurden nur noch aus drei Symbolen - Kurz, lang und Pause - bestehende Signale gemorst.

Gerät aus Stift und Staffelei


Seinen ersten Telegrafen, ein noch recht sperriges Gerät, bastelte der Maler Morse aus einer Staffelei, einem Stift, alten Teilen aus einer Uhr und einem Pendel. Die Grundfunktion damals war einfach. Floss kein Strom, zeichnete der Stift eine gerade Linie. Wenn Strom floss, schlug das Pendel aus und die Linie erhielt einen Zacken. Nach einigen Verbesserungen konnten schließlich mithilfe von Kontakttafeln und einem elektrisch leitenden Stift die Signale über Leitungen versendet werden.

Nachdem der Erfinder lange vergeblich nach Investoren und politischer Unterstützung gesucht hatte, bewilligte der US-Kongress schließlich den Bau einer rund 60 Kilometer langen Telegrafenleitung zwischen Baltimore und Washington. Später bauten Regierungen und Firmen weitere Leitungen und die Morse-Erfindung wurde weltweit zum Standard.

Der Morsecode kann nicht nur über ein Ton- oder Funksignal übertragen werden, sondern auch optisch etwa mit blinkendem Licht - wie in der Seefahrt üblich.

Der Morsecode wird derzeit auch im Weltraum - genau genommen auf dem Mars - angewendet. So rollt der Mars-Rover "Curiosity" auf Reifen, deren Profil die Morsezeichen für J, P und L in den Boden drücken. Die Reifen des von JPL (Jet Propulsion Laboratory) gebauten Rovers sind dabei nicht nur ein Marketing-Instrument. Die Nasa-Forscher nutzen die Abdrücke auf dem Marsboden, um die Funktionalität der einzelnen Räder zu beobachten. Zurückgelegte und berechnete Wegstrecken werden damit überprüft, um eventuelle Fehlfunktionen des Marsmobils zu identifizieren.