Washington/Moskau. Der erste private US-Raumtransporter "Dragon" ist am Mittwoch bei der Internationalen Raumstation ISS angekommen. Der unbemannte Frachter des US-Unternehmens SpaceX traf nach gut zweitägiger Reise ein, wie die Flugleitzentrale bei Moskau mitteilte. NASA-Astronautin Sunita Williams und ihr japanischer Kollege Aki Hoshide packten die Kapsel mit einem Greifarm. Sie sollte dann an einer Schleuse der ISS festmachen. "Dragon" hat rund 400 Kilogramm Versorgungsgüter und Geräte an Bord. Die Kapsel soll am 28. Oktober zur Erde zurückkehren.

Trotz einer "Unregelmäßigkeit" beim Antrieb feierten NASA und "Dragon"-Erbauer SpaceX den Start als Erfolg. "Das ist großartig", sagte SpaceX-Chefin Gwynne Shotwell nach dem Bilderbuchstart der Kapsel. Nach ihren Angaben dürfte selbst ein Ausfall eines der Triebwerke die Mission nicht gefährden. "Wir sind einsatzfähig", versicherte sie. Dies bedeute jedoch nicht, dass "wir aufhören dazuzulernen". Ziel sei es, die Transporte so sicher wie möglich zu machen. NASA-Chef Charles Bolden sprach von einem Meilenstein in der Geschichte der US-Raumfahrt. Während private US-Unternehmen den Transport zur ISS sicherstellten, könne sich die NASA auf das konzentrieren, "was sie am besten kann: Die Erforschung unseres Sonnensystems".

Das Raumschiff des Unternehmens SpaceX soll 455 Kilogramm Ausrüstung zur ISS bringen, darunter wichtiges Material für wissenschaftliche Versuche - und Eiscreme, eine eher seltene Gaumenfreude für die ISS-Besatzung. Läuft alles nach Plan, müsste die "Dragon" die Internationale Raumstation am Mittwoch erreichen. Auf dem Rückweg Ende Oktober soll der Transporter 562 Kilogramm Müll und wissenschaftliche Geräte mit zur Erde zurücknehmen.

Der private Raumtransporter hatte im Mai erfolgreich seinen ersten Testflug zur ISS absolviert. Der Flug hatte Elon Musk, dem Gründer von SpaceX und Mitbegründer des Internet-Bezahlsystems Paypal, einige Geduld abgefordert: Über Monate wurde der Start aus technischen Gründen immer wieder aufgeschoben, dann musste er wegen eines defekten Ventils am Antrieb der Trägerrakete in letzter Minute abgesagt werden. Bei der jetzigen Mission war bis zuletzt unsicher, ob das Wetter mitspielt.

Sollte sie gelingen, könnten die USA wieder einen eigenen Zugang zur ISS haben. Seit dem Ende ihres eigenen Shuttle-Programms im Juli 2011 hängt das Land für den Transport seiner Astronauten komplett von Russland ab, pro Kopf zahlt es dafür 63 Millionen Dollar (48,5 Millionen Euro). Auch den Transport von Fracht übernehmen weitgehend die Russen - allerdings werden deren Progress-Raketen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerstört und können deshalb keine Fracht zurückbringen.

Wegen der hohen Kosten für ein staatliches Raumfahrtprogramm setzt die US-Regierung nun auf private Anbieter - wie SpaceX. Ein Vertrag zwischen SpaceX und NASA sieht vor, dass das Unternehmen in vier Jahren zwölf Versorgungsflüge zur ISS gewährleistet und rund 20 Tonnen Material dorthin verfrachtet - Kostenpunkt: 1,6 Milliarden Dollar (rund 1,23 Milliarden Euro). Einen ähnlichen Vertrag hat die NASA mit der Firma Orbital Space Corporation. Deren erster Testflug ist für die kommenden Monate geplant.

Darüber hinaus schloss die NASA im August Verträge mit SpaceX, Boeing und Sierra Nevada über die Entwicklung bemannter Raumfähren ab. Ziel ist es, dass sie ab 2015 auch den Transport von Astronauten zur ISS übernehmen.