Hier ein Fall von "Vis Maior" bei Elektronikprodukten ist das Ablaufdatum aber gut versteckt in schlechten Kleinteilen verbaut. - © APAweb/Michel Reichel dpa/lth
Hier ein Fall von "Vis Maior" bei Elektronikprodukten ist das Ablaufdatum aber gut versteckt in schlechten Kleinteilen verbaut. - © APAweb/Michel Reichel dpa/lth

Wien. Kaum ist die Garantie abgelaufen, werden Computer, Waschmaschine oder Outdoorjacke kaputt: Immer mehr Konsumenten glauben nicht an bösen Zufall: Zunehmend wächst die Überzeugung, dass Produkte von vornherein für eine überschaubare Nutzungsdauer entworfen wurden. Der Fachbegriff dafür ist "geplante Obsoleszenz". Gegenstrategien? Beim Händler nach Langlebigkeit und Qualität fragen, rät das Magazin "Öko-Test". Im Internet vermehren sich unterdessen Seiten mit Tipps für Reparaturen.

  Das Wort Obsoleszenz kommt aus dem Lateinischen (von obsolescere‚ sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen). Als einer, der die geplante Obsoleszenz praktisch erfunden hat, gilt Alfred P. Sloan. Der General Motors-Präsident ließ in den 1920er-Jahren an den Automobilen seiner Firma jährlich Stiländerungen vornehmen. Das Baujahr war am Design abzulesen, das Vorjahresmodell wirkte aus der Mode gekommen, "obsolet", die Kunden wurden zu einem vorzeitigen Neukauf angeregt und GM Marktführer.

Unternehmen wollen Produkte verkaufen  
Der Grund für "geplanten Murks" sei naheliegend, meint Öko-Test: Unternehmen wollen neue Waren absetzen. Ein Beispiel: Beim Handmixer greifen Plastikzahnräder und Bauteile aus Metall ineinander. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Erstere die Zähne verlieren", kritisieren die Konsumentenschützer in der Oktober-Ausgabe.

  Der Einwand, die Verwendung minderwertiger Werkstoffe habe ihren Ursprung in der Geiz-Mentalität vieler Kunden, finden die Tester fadenscheinig: "Hochwertige Komponenten kosten nur wenige Cents mehr, damit würde sich fast jedes elektronische Produkt höchstens um einen Euro verteuern, aber fünf bis zehn Jahre länger halten."

Das Handy hält so lange wie der Vertrag  
Es sind aber nicht immer billige Kleinteile, die für geplante Obsoleszenz sorgen. Öko-Test nennt als weiteres Beispiel das Kultobjekt iPhone: An diesem Handy suche man vergebens die Klappe, hinter der sich der Akku verbirgt. "Er ist fest eingebaut. Damit bestimmt die Lebensdauer des Akkus die Lebensdauer des gesamten Geräts. In der Regel überstehe ein Akku 500 Ladezyklen; er hält bei einem Smartphone, das alle ein bis zwei Tage ans Netz muss, also rund zwei Jahre – so lange wie der Vertrag zum Handy." Ist man technisch nicht versiert genug, ist dann der Gang zum Fachmann angesagt, der zwischen 30 und 40 Euro für den Umtausch verlangt. Besonders bei den älteren Modellen iPhone 3G und 3GS ist der Einbau relativ aufwendig - hier kosten die Akkus allein rund zehn Euro, erfuhr die APA auf Nachfrage bei Wiener Smartphone-Reparaturgeschäften.

  Viele elektrische Geräte sind inzwischen so klein und kompakt geworden, dass der Tausch ganzer Komponenten nicht vorgesehen ist. Außerdem kämen immer häufiger für einzelne Hersteller typische Bauteile zum Einsatz, die im Handel nicht erhältlich sind. Selber reparieren wird fast unmöglich.

  Digitalkameras, Staubsauger und Bücherregale, alles mutiere zu Wegwerfartikeln, in Fernost billig hergestellt, zu Niedrigstpreisen auf den Markt geworfen, nach dem absehbaren Defekt nicht mehr reparierbar. "Dabei werden bewusst Rohstoffe und Ressourcen verschwendet", so die Konsumentenschützer.

  Die Politik könnte Abgaben auf den Verbrauch von Ressourcen einführen und Öko-Zölle, die nicht nachhaltig produzierte Waren verteuern würden. Anderer Ansätze wären eine Verlängerung der Gewährleistungsfrist oder eine "Pflicht zur Reparatur". Ob diese rechtlich durchzusetzen wäre, sei allerdings unklar.

  Oft rentiere sich aber einfach der Versuch, Produkte zu reparieren, doch. Auf Internetseiten wie ifixit.com werden im Kollektiv Anleitungen dafür zusammengetragen.