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Ein russischer Andockring samt Schnittstellen zwischen ISS und ATV koppelt dann an der Raumstation an, und die sechs Astronauten dort können endlich ihr Wunschessen ausladen, das sie lange vor ihrem eigenen Start mit einem Sojus-Raumschiff bestellt haben. Denn Albert Einstein bringt nicht nur 100 Kilogramm Atemluft und 565 Kilogramm Wasser, sowie 860 Kilogramm Treibstoff für die Steuerdüsen der Raumstation zur ISS, sondern mit 2479 Kilogramm auch eine Rekordmenge an sogenannter Trockenfracht. Und dazu gehören nicht nur Ersatzteile wie eine 80 Kilogramm schwere Wasserpumpe für das ESA-Labormodul Columbus, ein Mikroskop und raffinierte wissenschaftliche Experimente, sondern auch Verpflegung.

Gebaut wurde Albert Einstein genau wie die drei bisher gestarteten ATV bei der EADS-Astrium in Bremen. Über Nordsee und Atlantik wurden die einzigen europäischen Raumschiffe dann nach Kourou in Französisch-Guayana verschifft. Dort hat man Albert Einstein mit 4,8 Tonnen Treibstoff betankt und mit vier Tonnen Ladung für die ISS bestückt. Sobald Ariane das Raumschiff in eine Erdumlaufbahn gebracht hat, nutzt das ATV 2,2 Tonnen seines Sprits, um die ISS zu erreichen und voraussichtlich am 11. Oktober 2013 wieder zu verlassen. Dann bremst Albert Einstein so stark ab, dass er am 15. Oktober über dem Pazifik beim Eintauchen in die Atmosphäre samt dem von der Raumstation mitgebrachten Abfall verglüht.

Das ATV ist aber nicht nur ein Weltraum-Lastkraftwagen, der mit einem Schlag mehr als sieben Tonnen Fracht zur Raumstation bringen kann und der auf dem Rückweg als Mülltransporter arbeitet. Albert Einstein wird genau wie seine Vorgänger auch als Triebwerk für die Raumstation dienen. Die ISS fliegt nämlich in einer Höhe zwischen 330 und 410 Kilometern über der Erdoberfläche, in der es noch winzig kleine Mengen Luft gibt. Die aber bremst die mit rund 29.000 Kilometern in der Stunde um die Erde rasende Raumstation ein wenig ab. Daher sackt die ISS langsam tiefer, wo die Luft noch etwas dichter wird und noch stärker bremst. Um diesen immer schnelleren Sinkflug auszugleichen, zündet das ATV seine vier Haupttriebwerke und hebt die circa 450 Tonnen schwere ISS einige Kilometer höher. Für dieses Manöver bringt Albert Einstein die restlichen 2,6 Tonnen Treibstoff in seinen Tanks mit, die ebenfalls als Ladung für die Raumstation zählen.

450 Millionen Euro kostet ein einziger ATV-Flug, insgesamt wären sechs solcher Weltraum-Lastkraftwagen nötig, um die Miete für die vorerst bis 2020 geplante Nutzung an der ISS zu bezahlen. Dieses Geld ist hervorragend angelegt, erklärt DLR-Experte Volker Schmid: "Dafür bekommen allein deutsche Forscher weit mehr als hundert Experimente aus der Grundlagenforschung, die derzeit meist nur in der Raumstation sinnvoll durchgeführt werden können."