Pumpspeicherwerke in Skandinavien, wie hier "Ulla Forre" in Westnorwegen, sind in der Lage, Strom aus regenerativen Energien in Europa zu speichern. - © Foto: Ilja C. Hendel/Visum/picturedesk.com
Pumpspeicherwerke in Skandinavien, wie hier "Ulla Forre" in Westnorwegen, sind in der Lage, Strom aus regenerativen Energien in Europa zu speichern. - © Foto: Ilja C. Hendel/Visum/picturedesk.com

Wind- und Solarenergie sollen die Zukunft der Stromversorgung sein. Sie sind aber großen Schwankungen unterworfen: Mal ist es windstill und bedeckt - dann gibt es zu wenig Strom. Mal bläst der Wind und die Sonne scheint pausenlos - dann gibt es zu viel.

Zum Ausgleich der Schwankungen braucht es Zwischenspeicher: Batterien, die sich bei Stromüberschuss aufladen und zu den Konsumspitzen wieder leeren lassen. Für diesen Zweck eignen sich Pumpspeicherwerke. Die Anlagen befördern das Wasser nachts, wenn wenig Strom verbraucht wird, von einem tiefer gelegenen in einen höher gelegenen Speicher - dann ist die Batterie voll. Steigt der Stromkonsum tagsüber an, geht das Wasser den umgekehrten Weg - wieder den Berg hinunter. Es treibt die Turbinenschaufeln im Kraftwerk an, die mit Generatoren verbunden sind. Diese wandeln die Bewegungsenergie des Wassers in elektrische Energie um.

Ausbau der Wasserkraft


Wer könnte zur europäischen Batterie werden? Die klassischen Wasserkraftländer? Rund 41 Terrawattstunden produzierten die österreichischen Wasserkraftwerke im letzten Jahr. Bezogen auf die Gesamterzeugung entspricht dies einem Anteil von knapp 60 Prozent der inländischen Stromproduktion. Allerdings gibt es große jahreszeitliche Schwankungen, sagt Markus Bliem vom Institut für Höhere Studien in Klagenfurt. In Summe sei Österreich schon seit Jahren ein Stromimportland. Zu bestimmten Zeiten exportiere es aber auch beträchtliche Mengen, vorwiegend nach Deutschland.

Vor allem der nördliche Nachbar will Photovoltaik und Wind massiv ausbauen. Das macht weitere Speichermöglichkeiten unabdingbar, so Bliem, gerade weil Pumpspeicherwerke immer noch die einzige wirtschaftliche, großtechnische Lösung seien. Eine sechs Jahre alte Studie von Pöyry Energy schätzt das Ausbaupotential bis 2020 auf 13 Terrawattstunden. Die Interessensvertretung der Elektrizitätsunternehmen ("Österreichs Energie") strebt für denselben Zeitraum sieben Terrawattstunden an. Die im Ökostromgesetz verankerten Ausbauziele für dieses Jahrzehnt fallen vorsichtiger aus. Die Wasserkraft soll danach um vier Terrawattstunden wachsen.

Österreich will seinen Anteil erneuerbarer Energieträger bis 2020 auf 34 Prozent steigern. Dafür bräuchte es die Wasserkraft. Aber der Ausbau birgt großes Konfliktpotential, denn die ökologischen Auswirkungen sind nicht wegzureden. Strömungsverhältnisse ändern sich, der Wasserspiegel unterhalb des Stausees sinkt, die Durchgängigkeit der Flüsse wird unterbrochen.

Die Durchgängigkeit wird von der EU-Wasserrahmenrichtlinie verlangt. Sie schreibt einen "guten ökologischen Zustand" von Grund- und Oberflächengewässern in Europa vor. Da kommen Kosten auf die Betreiber zu. Momentan sind die meisten Kleinwasserkraftwerke in Österreich (weniger als 10 Megawatt) für Fische nicht passierbar. Die Erfüllung der europäischen Vorgaben würde Kosten von 90 Millionen Euro verursachen. Bliem: "Schutzbestimmungen wie die Wasserrahmenrichtlinie der EU oder auch Natura 2000 reduzieren die technischen und wirtschaftlichen Potentiale der Wasserkraft beträchtlich."

Der alleinige Ausbau von Pumpspeicherwerken würde auch nicht ausreichen, um auf die "volatile Erzeugungsstruktur", also die schwankenden Strommengen aus Sonnen- und Windenergie reagieren zu können, ergänzt Bliem. Hinzu kommen müsste ein spezielles Anreizsystem, Demand Side Management genannt, das die Stromnachfrage steuert. Scheint mittags die Sonne, werden die Preise für den in diesem Moment reichlich vorhandenen Solarstrom gesenkt. Und in den Haushalten springen genau dann vernetzte Geräte an, etwa Waschmaschinen.

Hätte der Ausbau den Segen der Bevölkerung? In einer repräsentativen Umfrage (2011) zeigten 96 Prozent der Befragten eine positive Einstellung zur Wasserkraftnutzung. 92 Prozent waren auch mit dem Bau weiterer Kraftwerke an österreichischen Flüssen einverstanden. Allerdings sah knapp die Hälfte auch die negativen Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt. Und 30 Prozent meinten, neue Anlagen beeinträchtigten das Landschaftsbild.

Nach der Umfrage zu schließen könnte der allgemeine Wissenstand der Österreicher besser sein. 43 Prozent der Befragten fühlten sich schlecht über die Wasserkraftnutzung in Österreich informiert. Und nur 59 Prozent kannten konkrete Bauvorhaben. Der Ausbau von Wind und Photovoltaik beeinflusst auch den Preisbildungsprozess am Elektrizitätsmarkt. Der unterliegt dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage. Zuerst werden die Angebote der Erzeuger zusammengefasst - beginnend mit dem günstigsten. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem die Nachfrage gedeckt ist. So ergibt sich der Markträumungspreis, der allen akzeptierten Angeboten zugesprochen wird.

"Grüne Batterie"


"Allerdings muss Ökostrom bevorzugt ins Netz eingespeist werden", erklärt Bliem. So verdrängt er die teuersten konventionellen Technologien. Durch diesen Effekt, den Merit-Order-Effekt, sinken die "Einsatzzeiten" von Speicherkraftwerken. Bliem: "Aus diesem Grund ist es momentan unwirtschaftlich, neue zu bauen."