Berlin/Wien. (est) Während die europäische Raumfahrtmission Rosetta nach der Landung auf dem Kometen Tschuri vor genau einer Woche erste Messdaten zur Erde funkt, steht schon die nächste große Weltraummission in den Startlöchern. Am 4. Dezember soll die US-Raumkapsel Orion ihren ersten Testflug absolvieren.

Bei der US-Weltraumbehörde Nasa laufen die Vorbereitungen für den "Exploration Flight Test One" auf Hochtouren. Orion soll vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida starten. Auf einer Art Rundflug soll das unbemannte Raumschiff am Mond vorbei fliegen und nach 4,5 Stunden wieder zur Erde zurückkehren. Mit Hilfe von riesigen Fallschirmen soll es vor der kalifornischen Küste im Pazifik landen. Die Nasa hat dabei die größten Risiken im Blick. Orion soll 6000 Kilometer weit ins All fliegen, um den Wiedereintritt in die Atmosphäre simulieren zu können. Hitzeschild, Navigationssysteme und Fallschirme müssen einwandfrei arbeiten. Beim Anflug in die Atmosphäre soll die Kapsel 85 Prozent der Geschwindigkeit erreichen, die sie bei der Rückkehr vom Mond haben würde.

In weiteren Tests 2017 und 2018 will die Nasa mit Orion unbemannt um den Mond und zurück fliegen. Bis dahin wird ein wesentliches Bauteil erstmals in Europa entwickelt, teilte das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) am Montagabend mit. "Mein Wunsch wäre ein europäischer Astronaut an Bord von Orion", sagte Thomas Reiter, Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Eine Zusammenarbeit von Nasa und ESA im Rahmen der Internationalen Raumstation ISS wurde bereits 2012 beschlossen.

Die USA hatten jüngst angekündigt, wieder selbst Astronauten ins All bringen zu wollen. Ihre eigene Shuttle-Flotte hatten sie 2011 unter anderem aus Kostengründen stillgelegt. Seit dem sind amerikanische Astronauten für Raumtransporte auf russische Sojus-Kapseln angewiesen, für jedes "Weltraum-Taxi" zahlt die Nasa 50 Millionen Euro. Um die Abhängigkeit zu beenden, setzt Washington auf private Firmen, wie Boeing oder SpaceX. Orion soll auch diese Abhängigkeit beenden - langfristiges Ziel sind laut Präsident Barack Obama bemannte Flüge zu Asteroiden, Mond und Mars.

Die Form des neuen Raumschiffs ähnelt jener der früheren Apollo-Kapseln. Auch die Technik setzt auf bestehendem Know-how auf, jedoch sind die elektronischen Systeme leistungsfähiger. "An Bord gibt es ein Netzwerk, in das die jeweils aktuelle Computertechnik integriert werden kann, das wir mit einer österreichischen Firma entwickelt haben (TTTech aus Wien, Anm.). Es ist das Rückgrat aller Bordsysteme", erklärt Mark Geyer, Programm-Manager für Orion bei der Nasa, im Interview mit der "Welt".

Energie gewinnt das System aus Solarzellen. Anders als Apollo 12 bietet es nicht drei, sondern vier Astronauten Platz. Orion kann bis zu 21 Tage durchs All reisen - für mehr Material ist es zu klein. Da ein Flug zum Roten Planeten ein halbes Jahr dauert, müssten Mars-Astronauten mit Orion in die Erdumlaufbahn reisen und dann in ein dort geparktes, größeres Mars-Raumschiff umsteigen.

Erster bemannter Flug 2021?

Bei den beiden weiteren Testflügen zum Mond 2017 und 2018 wird ein von der ESA beigesteuertes Service-Modul dabei sein. Die ESA hat das Raumfahrtunternehmen Airbus Defence&Space beauftragt, es zu entwickeln und zu bauen. Das Gerät soll Orion antreiben und mit Sauerstoff, Wasser und Energie versorgen. Der Vertrag über 390 Millionen Euro wurde in Berlin unterzeichnet.

Die Orion ist der erste Fall in der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt, bei dem ein für die Mission kritisches Element nicht in den USA gebaut wird. Ohne das Modul der Europäer wäre das Raumschiff nicht einsatzfähig. "In Washington war das eine große, strategische Entscheidung. Sie zeigt, wie stark und vertrauensvoll die Verbindung zwischen Nasa und ESA ist", so Geyer. Die ESA soll auch Partner sein bei der Erforschung von Mond und Mars.

Die Nasa investiert pro Jahr eine Milliarde Dollar in das Projekt. Die Testflüge zum Mond sollen mit der neuen Rakete gestartet werden, die noch entwickelt werden muss. Der erste bemannte Orion-Flug ist für 2021 geplant.