Sollen Roboter Menschen ohne Wenn und Aber ersetzen können? - © Corbis/Blutgruppe
Sollen Roboter Menschen ohne Wenn und Aber ersetzen können? - © Corbis/Blutgruppe

Wien. Ein selbstfahrendes Auto fährt auf einen einspurigen Tunnel zu. Da läuft ein Kind auf die Straße. Das Auto hat zwei Möglichkeiten: Es überfährt das Kind und schützt die Insassen des Autos. Oder es schützt das Kind - und fährt gegen die Wand.

Als Menschen haben wir keine Kriterien, über dieses ethische Dilemma zu entscheiden. In der Situation selbst könnte ein Mensch gar nicht entscheiden, er würde das Lenkrad verreißen. Für die Technologie eines autonom fahrenden Autos aber ist die kurze Zeit, die für die Entscheidung bleibt, keine Schwierigkeit. Das Problem ist die Physik, die den Unfall unvermeidbar macht. Und eine Maschine, ein Auto, übernimmt eine Entscheidung über Leben und Tod.

So schildert Peter Purgathofer vom Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung an der TU Wien ein ethisches Problem der Künstlichen Intelligenz: der Intelligenz von Maschinen, die die natürliche Intelligenz des Menschen übertreffen. Im Straßenverkehr könnten durch selbstfahrende Autos womöglich 80 Prozent der Verkehrsunfälle verhindert werden. Viele Leben könnten gerettet, einzelne Menschen aber absichtlich getötet werden.

Künstliche Intelligenz


Für Purgathofer ist Künstliche Intelligenz eine Ausnahmeerscheinung und der Begriff schwer zu definieren: "Man könnte sagen, die Künstliche Intelligenz gibt es noch gar nicht. Denn ein System, das Selbstbewusstsein hat oder eine Rezeptionsfähigkeit über das eigene Sein, das gibt es nicht." Momentan würde Intelligenz mehr in Zusammenhang mit Kreativität und Sozialem gesehen - Bereiche, die ein Computer nicht ersetzen kann. "Andererseits ist ein selbstfahrendes Auto vielleicht intelligent genug, dass man es Künstliche Intelligenz nennt."

Maschinen könnten nur Ausschnitte unserer Fähigkeiten ersetzen, sagt Wolfgang Hofkirchner, ebenfalls von der TU Wien. Für ihn heißt das, "Ja zu sagen zu Maschinen, die uns bei bestimmten Dingen unterstützen können. Aber Nein dazu, dass Künstliche Intelligenz den Menschen übernehmen soll. Wesen, die selbständig und mit Menschen als Partner arbeiten oder denen wir gar untergeordnet sind, halte ich für blanken Unsinn." In Form von Smartchips würden heute alle Gebiete technologisch unterstützt, es müssten aber keinesfalls menschenähnliche Roboter sein. "Wir haben als Menschen die Tendenz, wie mit Haustieren auch mit Maschinen umzugehen." Doch es wäre schlecht, unsere Kinder zu erziehen, als stecke ein Geist hinter einer Maschine.