Washington/Wien. (est) Bennu gilt als einer der gefährlichsten bekannten Asteroiden. Es ist somit eine Mission, bei der die Erde einen ihrer Feinde kennenlernt. Denn schon in etwas mehr als 150 Jahren könnte der Gesteinsbrocken auf der Erdoberfläche einschlagen. Wissenschaftern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:2700. Doch gerade weil Bennu der Erde alle sechs Jahre ziemlich nahe rückt, ist er ein geeignetes Objekt für die Forschung. Die US-Weltraumbehörde Nasa will den kleinen Himmelskörper nun ganz genau untersuchen.

An Bord einer Atlas-Rakete startete die sechs Meter lange und 2100 Kilo schwere Sonde Osiris Rex am Donnerstagabend (Ortszeit, etwa halb zwei Uhr Früh Mitteleuropäischer Zeit) unter wolkenlosem Himmel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Staat Florida. "Die Sonde funktioniert selbständig und wir kommunizieren mit ihr", bestätigte Nasa-Manager Geoffrey Yoder: "Das ist ein großartiger Tag für die Raumfahrt."

Anti-Staubsauger für Proben

Es ist die erste US-Mission zu einem Asteroiden, bei der eine Probe zurück zur Erde gebracht werden soll. 2005 war die japanische Raumsonde Hayabusa auf einem solchen Himmelskörper gelandet und hatte Bodenproben zur Erde gebracht. 2014 landete die europäische Sonde Rosetta auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko, verlor jedoch Kontakt zu ihrer Landeeinheit Philae kurz nach dem Manöver.

Von Osiris Rex erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems. "Wir fliegen zu Bennu, weil wir wissen wollen, was der Asteroid während seiner Entstehung erlebt hat", erläuterte Edward Beshore von der US-Weltraumbehörde. "Wie Polizisten in einer Krimiserie werden wir jedes Beweisstück untersuchen."

Wenn bei der 890 Millionen Euro teuren Mission alles nach Plan läuft, soll die Sonde 2018 den Asteroiden erreichen. Mehr als 650 Millionen Kilometer muss Osiris Rex - der Name steht für den Zungenbrecher "Origins, Spectral Interpretation, Resource Identification, Security-Regolith Explorer" - zurücklegen. 2020 soll die Sonde sich Bennu so sehr nähern, dass sie eine Probe von bis zu 2000 Gramm aufsaugen kann. Dazu wird die Sonde nicht landen, sondern wenige Meter über der Asteroidenoberfläche eine Art Anti-Staubsauger ausfahren. Dieser bläst im ersten Schritt Stickstoff auf den Asteroiden, der Verwirbelungen auf Bennus staubiger Oberfläche auslöst. Im zweiten Schritt saugt er die auffliegenden Teilchen in einem Filter auf. "Wir müssen den Asteroiden nur für wenige Sekunden berühren, um eine Probe zu bekommen", erklärt Jim Crocker, Ingenieur beim US-Unternehmen Lockheed Martin, das die Sonde gebaut hat.