Luzern/Wien. (est) Trotz der Bruchlandung ihrer Mars-Sonde "Schiaparelli" auf dem Roten Planeten vergangenen Oktober will die Europäische Raumfahrtagentur ESA ihre prestigeträchtige Mission Exomars fortsetzen. Der ESA-Ministerrat hat zudem am Freitagabend in der Schweizer Stadt Luzern beschlossen, sich für weitere vier Jahre bis 2024 an der Nutzung der Internationalen Raumstation ISS zu beteiligen. Somit behält Europa seinen Platz auf dem Außenposten der Menschheit.

Die Hauptgeldgeber Russland und USA hatten ihr Engagement bereits früher um vier Jahre verlängert, nun sagten die 22 ESA-Mitgliedstaaten rund 960 Millionen Euro für die ISS zu. Insgesamt stellten sie 10,3 Milliarden Euro für Raumfahrtprogramme in den kommenden Jahren bereit. "Das ist ein großer Betrag, der es uns erlaubt, voranzuschreiten", betonte ESA-Chef Jan Wörner.

Da die Agentur aber ursprünglich Wünsche im Wert von rund 11 Milliarden Euro angemeldet hatte, muss sie trotz dieser Summen den Gürtel etwas enger schnallen. Den Sparstift setzt sie bei der Asteroid Impact Mission (AIM) an. Mit dem Projekt sollte Technik zur Abwehr von Asteroiden entwickelt werden, die den Kurs solcher Brocken ablenken sollte. Dafür seien jedoch keine ausreichenden Finanzzusagen gemacht worden, sagte Wörner. AIM könne deshalb nicht wie geplant starten. Wie das Fachmagazin "Nature" berichtet fehlen allerdings "nur einige zehn Millionen" - im Vergleich zum Gesamtbudget erscheine das nicht viel. "Ein cooles Projekt wurde gekillt, weil es an Vision und Mut fehlt", kritisiert Patrick Michel, Planetenforscher am Französischen Zentrum für Wissenschaftliche Forschung in Nizza, im Gespräch mit dem Magazin.

Die Menschheit müsse endlich Technik zur Abwehr von Asteroiden entwickeln, warnt Rusty Schweickart, Ex-Astronaut der "Apollo"-Mission der US-Agentur Nasa, in einem Interview mit dem "Spiegel Online". Sonst könnte eines Tages eine globale Katastrophe drohen. "Im Extremfall geht es um das Ende unserer Zivilisation", verdeutlicht er die Brisanz der Entscheidung, auf AIM zu verzichten. Asteroiden hätten die Erde millionenfach getroffen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis uns ein großes Exemplar trifft, und da wir das verhindern können, sollten wir es auch tun."

AIM sollte mit zwei Mini-Satelliten und einem Lander zum Astroiden Didymos starten. Ein Felsen von 150 Metern Durchmesser namens Didymoon umkreist Didymos wie ein Mond. Der Plan war, den Brocken auf den Astroiden zu schießen, um zu beobachten, wie sich Orbit und Umlaufbahn ändern. Wörner zufolge könnte nun aber nur eine andere, kleinere Asteroidenmission möglich sein, außerdem gebe es Geld in einem allgemeinen Forschungsprogramm, das für dieses Ziel genutzt werden könne.

91 Millionen aus Österreich

Grünes Licht gaben die 22 Mitgliedstaaten für die zweite Phase der Exomars-Mission, für die knapp 440 Millionen Euro zusätzlich gebraucht werden. In dem europäisch-russischen Projekt soll 2020 ein Rover auf dem Roten Planeten landen, allerdings bekam das Projekt einen Dämpfer, als die Test-Sonde aufgrund eines Softwarefehlers auf dem Marsboden zerschellte.

Weiters sind 1,4 Milliarden Euro für Programme zur Erdbeobachtung bis 2025 vorgesehen. 1,6 Milliarden stehen bis 2023 für das Trägerraketenprogramm Ariane, den europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guyana und für die Entwicklung neuer Technik bereit - etwa ein wiederverwendbares Raumfahrzeug, das für Experimente in der Schwerelosigkeit genutzt werden kann. Die ESA-Staaten segneten auch eine grundsätzliche Strategie ab, die Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtfirmen auszubauen.

Das Infrastrukturministerium in Wien trägt in den nächsten fünf Jahren 91 Millionen Euro zu den Wissenschafts- und Basisprogrammen der ESA bei, sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. Zusätzlich soll die Beteiligung heimischer Unternehmen an europäischen Erdbeobachtungsmissionen, Telekommunikationsprojekten oder Erkundungsmissionen wie Exomars mit 113 Millionen Euro gefördert werden.