Wien. Quantenphysiker haben die Wissenschaft hinter ihrem Live-Experiment mit quantenverschlüsseltem Videotelefonat zwischen Österreich und China vom September des Vorjahres veröffentlicht. Demnach ist absolut abhörsichere Quantenkommunikation über 7600 Kilometer möglich, berichteten die Akademie-Präsidenten Anton Zeilinger in Wien und sein Kollege Chunli Bai in Peking im Fachjournal "Physical Review Letters".

Mit Hilfe des chinesischen Forschungssatelliten "Micius" und Bodenstationen in Österreich und China kamen Quantenschlüssel bei der über das konventionelle Internet geführten Videokonferenz zum Einsatz. Aufgrund der Gesetze der Quantenphysik gilt ein derart verschlüsselter Datenaustausch als abhörsicher. "Das Experiment hat auch gezeigt, dass Quantenkommunikation global funktioniert", erklärte Zeilinger am Freitag in einer Aussendung. Seine Gruppe am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation in Wien beschäftigt sich mit der Übertragung von Quanteninformation über immer größere Entfernungen. Weil dem auf der Erde Grenzen gesetzt sind, wich man ins Weltall aus.

Für das Experiment erzeugten die Forscher einzelne Photonen mit einer zufälligen, nicht vorhersehbaren Schwingungsrichtung am Satelliten und sendeten sie zum Boden. Sender und Empfänger haben damit eine eindeutige Abfolge zufällig generierter Nullen und Einser - den Quantenschlüssel. Ein Abhörversuch während des Austauschs hätte den Zustand der Teilchen verändert und wäre unverzüglich vom Empfänger bemerkt worden. Weil die Schlüssel noch zu klein waren, um das gesamte Telefonat zu verschlüsseln, wurden sie in viele Teile zerlegt, die immer wieder getauscht wurden. Für ebenfalls übertragene Bilder wurde ein einziger Schlüssel verwendet und anschließend vernichtet. Diese Methode gilt als das Nonplusultra der Sicherheit.