Wien. Der 3-D-Drucker war ihnen nicht präzise genug, deshalb haben die drei österreichischen Freunde Thomas Schiefermair, Jakob Neuhauser und Martin Viereckl eine spezielle CNC-Fräse entwickelt, mit der die gewünschte Präzision erreicht werden kann. Ob Platinen oder andere Werkstücke - mit ihrer computerprogrammierten "Minimill" können Nutzer ohne Programmierkenntnisse CNC-Fräsen bedienen. Während beim 3-D-Druck Schicht für Schicht aufgebaut wird, trägt das Fräsen Material ab, bis das Bauteil übrig bleibt.

Geburtshelfer Patentamt

Die Entwicklung der Maschine hatte die Unternehmensgründung der Qbot Gmbh und eine erfolgreiche Patentanmeldung zur Folge. Gedacht ist Minimill, deren Entwicklung drei Jahre gedauert hat, für die Fertigung in Unternehmen und auch zu Hause, berichtete Schiefermair am Donnerstag anlässlich des weltweiten Tag des geistigen Eigentums (World IP Day) im Rahmen einer Pressekonferenz des Österreichischen Patentamts vor Journalisten.

Das ist ein Beispiel für erfolgreichen Erfindergeist. Und dieser scheint in Österreich nur so zu sprühen. Denn pro Jahr melden die Daniel Düsentriebs des Landes insgesamt 12.000 Patente an, zog Patentamtsdirektorin Maria Karepova Bilanz. Vor allem das Feld der digitalen Kommunikation dürfte in Zukunft einen rasanten Aufschwung erfahren.

Österreich liege damit EU-weit auf Platz sechs und weltweit auf Platz elf, betonte Innovationsminister Norbert Hofer. Patente würden vor allem in den Haupt-Exportmärkten Deutschland, USA, Frankreich, Großbritannien und Italien angemeldet, zunehmend aber auch in China. Die Zahl der Anmeldungen von österreichischen Patenten sei seit 2006 um 260 Prozent gestiegen.

Das Geschäft mit Kopien und Fälschungen sei ein riesiges: 590 Milliarden Euro würden weltweit damit pro Jahr umgesetzt. "Wir müssen alles tun, dass unsere Förderungen und Investitionen nicht verpuffen", betonte Hofer. Keine österreichische Erfindung dürfe in diesem Spiel einen Schaden erleiden.

"Wir sind die Geburtshelfer", schilderte Karepova die Arbeit des Patentamtes. Dort werden Erfindungen genauestens geprüft, bevor sie Schutz erfahren. Die klugen Köpfe dahinter erhalten Beratung und Service, schilderte Schiefermair - "ohne Angst um ihre Ideen haben zu müssen".

Erfunden wird in Österreich überall - das war aber nicht immer so. Noch vor 30 Jahren war Wien der Hotspot der Erfindungen. Heute ist Oberösterreich mit 610 Anmeldungen Nummer eins im Patente-Ranking der Bundesländer, gefolgt von der Steiermark und Wien. Die größte Chance, auf einen Erfinder zu treffen, hat man allerdings in Vorarlberg. Gemessen an der Einwohnerzahl werde nirgends mehr patentiert, so Karepova.

Mit Marken ist Österreich weltweit mit immerhin 9000 vertreten. Diese Zahlen werden von starken Unternehmen getragen. Kleinere Unternehmen und Start-ups würden das System nur selten nützen, bedauert die Patentamtsdirektorin. "Nur 0,8 Prozent der KMUs besitzen Patente". Das sei zu wenig. Karepova sieht einen "riesigen Nachholbedarf zum Schutz des geistigen Eigentums".

Die Top-Anmelder im Jahr 2017 im Bereich Patente sind die österreichischen Unternehmen AVL List mit 155, Tridonic mit 84 und Julius Blum mit 81 Erfindungsanmeldungen. AVL List entwickelt Antriebssysteme mit der dazugehörenden Simulation und Prüftechnik. Tridonic bietet Lichtlösungen und Julius Blum Möbelbeschläge. Bei den Marken führen die bekannten Consumer-Brands Österreichische Lotterien und Hofer das Ranking an.

Patentscheck und Staatspreis

Mit einem Patentscheck in einer Höhe von 12.500 Euro wird Erfindern in Österreich auch ein Startkapital ermöglicht. Die vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und über die Forschungsförderungsgesellschaft FFG vergebene Förderschiene soll Pionieren den Weg zur Patentanmeldung erleichtern. Im vergangenen Jahr waren 100 solcher Patentschecks vergeben worden. Mittlerweile sind es schon 500. Die weitere Finanzierung ist dem Minister zufolge sichergestellt. Zudem wird am 8. November der Staatspreis Patent vergeben. Bis zum 12. Juni können dafür noch Vorschläge eingebracht werden.