Die Hubble-Konstante ist eine fundamentale Größe der Kosmologie. Sie beschreibt die Rate der Expansion des Universums. Jedoch ist ein Streit über diese Geschwindigkeit entbrannt. Kann Webb weiterhelfen?

Webb verhilft uns zu einer besseren Einschätzung der Hubble-Konstante und kann helfen, die Fehlerquellen zu minimieren. Jedoch erforscht es nicht direkt die Dunkle Energie, die die Ausdehnung verursacht. Diese Mission wird ein nächster Satellit, den wir derzeit "W" nennen, antreten.

Webb sollte ursprünglich 2014 starten, dann heuer und jetzt am 30. März 2021. Technische Probleme und menschliche Fehler nennt die Nasa als Ursache. Welche?

Webb verschiebt die Grenzen des technisch Machbaren sehr weit. Uns war immer klar, dass es schwierig werden würde. Die jüngsten Herausforderungen gehen auf das Konto des Raumschiffes. Hier gab es Probleme in einem Element, das den Antrieb, die Elektronik und die Batterien beherbergt, die jetzt aber behoben sind. Problematischer ist es mit dem Sonnenschild für die Spiegel-Konstruktion. Testläufe am Boden zeigten, dass die Konstruktion verbesserungsbedürftig ist.

Was war kaputt?

Der Sonnenschild besteht aus fünf Schichten Kapton - ein plastikartiges Material, mit Aluminium und Silikon beschichtet, das bis zu 400 Grad Celsius aushält. Es hat die Fläche eines Tennisplatzes und schützt die sensiblen Geräte vor der Infrarotstrahlung. Weiters schützen spezielle Umhüllungen den Sonneschild vor den enormen Hitzen beim Start. Im Weltraum fährt ein Mechanismus, der an ein Maßband erinnert, das sich einrollt, wenn man den Knopf drückt, die Umhüllung zurück. Die nötigen Federn sind paarweise und in regelmäßigen Abständen zueinander angeordnet. Bei einem akustischen Test setzen wir die Hardware einem Geräuschpegel wie beim Start aus. Tonwellen erzeugen Bewegung und diese löste einige Schrauben und Muttern. Um sicherzugehen, mussten wir alles neu installieren. Mit dem Rückroll-Mechanismus wollten unsere Auftragnehmer aus der Industrie verhindern, dass die Umhüllung zerreißt, aber vielleicht wurde nicht alles zu Ende gedacht.

Das Budget ist auf 8,6 Milliarden Euro gestiegen. Irritiert das?

Es ist eine hohe Summe für den Steuerzahler für eine wissenschaftliche Mission, beinhaltet aber fünf Jahre im Kosmos. Wir sind der Ansicht, dass es das Geld wert sein wird, weil die Teleskope stark sind und wir wissen, dass sie funktionieren. Ohne die Infrastruktur können wir ihre Potenz nicht nützen.