Wien. Dass Migranten ein Teil der Gesellschaft sind, haben alle - ob Politik oder Wirtschaft - lange verschlafen. Die Medien waren keine Ausnahme. 17 Prozent der heimischen Bevölkerung ist ausländischer Herkunft, doch bei den Beschäftigten in Mainstream-Medien trifft das nur auf 0,49 Prozent zu. Dass zumindest die Sensibilität für Migranten gestiegen ist, zeigte eine Debatte am Mittwochabend bei "Medien. Messe. Migration". Es ging darum, ob Quoten eine geeignete Maßnahme sind, den Migrantenanteil in Redaktionen zu steigern.

Klar gegen Quoten war der bekannte Journalist Franz Ferdinand Wolf. "Was ist ein Migrant?", fragte er in die Runde. Werde die dritte Generation dazugezählt, so sei auch er einer. Darüber hinaus würde man so nur eine "Ghetto-Situation" festigen, und überhaupt sei das "juristisch in privatwirtschaftlichen Unternehmen nicht möglich. Machbar wäre es nur im Staatssendefunk, denn dafür genügte ein eigenes Gesetz", meinte Wolf, der schon Moderator von Sendungen wie "Club2" oder "Offen gesagt" war.

Anders sahen das die ORF-Redakteurin Brigitte Handlos und der Wiener Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell. "Ohne Quote passiert nichts. Es braucht Druck", meinte Handlos. Hausjell nannte Maßnahmen in den USA, die Zusammensetzungen in den Redaktionen jener der Gesellschaft anzugleichen. Auch die BBC hat vor einigen Jahren eine Selbstverpflichtung zu mehr Migranten übernommen.

Moderatorin Olivera Stajic mit (v. l. n. r.) Alfred Grinschgl (Telekom Regulierungs-GmbH), Göweil, Inam, Hausjell, Handlos, Wolf. - © Stanislav Jenis
Moderatorin Olivera Stajic mit (v. l. n. r.) Alfred Grinschgl (Telekom Regulierungs-GmbH), Göweil, Inam, Hausjell, Handlos, Wolf. - © Stanislav Jenis

Auf den Faktor Zeit machte Reinhard Göweil, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", aufmerksam. "Wir beschäftigen uns damit noch nicht lange." Erst langsam entstehe ein Bewusstsein für Vielfalt in den Medien. Man müsse eher bei der Ausbildung ansetzen. Auch gezielte Presseförderungen wären denkbar. "Das Steuerungselement der Förderung wäre zu begrüßen." Göweil hielt daher fest: "Erst wenn all das stärker berücksichtigt wurde, ist es realistisch, über eine Quote zu reden. Zuerst muss einmal das Bekenntnis für Vielfalt da sein."

Münire Inam, die in der Frauenbewegung ein Vorbild für junge Migranten sieht und daher Quoten prinzipiell befürwortet, warnte davor, eine Quote ohne weitere Maßnahmen einzuführen. "Dass Schlimmste wäre, wenn man beginnen würde, bei Migrantenvereinen mit ethnischer oder ideologischer Ausrichtung nach neuen Journalisten zu suchen. Ohne Ausbildung nützt die Quote nichts." Auch Hausjell räumte ein: "Die Quote allein ist keine Lösung." Moderatorin Olivera Stajic von dastandard.at erwähnte, dass es in Deutschland immerhin eine vage formulierte Selbstverpflichtung der Medien zu einem höheren Migrantenanteil gibt.