Wien. Eine Schule wird geschlossen. Die Jugendlichen staunen nicht schlecht, als sie das Gebäude leer vorfinden und nur die Hausmeisterin ihre übliche Runde macht. Einem Aushang der Direktion entnehmen sie den Grund für die Schließung: Wegen des hohen Migrantenanteils und des niedrigen Bildungsniveaus werde die Schule nicht mehr als förderungswürdig eingestuft.

Bei einigen Schülern bricht Partystimmung aus. Eine eifrige Schülerin erzählt ihrer geschiedenen, alleinerziehenden Mutter bestürzt von dem Vorfall, doch die hat keine Zeit für sie und ist selbst mit Arbeit und Mietkosten überfordert. Nach und nach dämmert allen Jugendlichen, dass sie die Schule doch brauchen. Als sie von einer Gesamtschule im ersten Bezirk erfahren, die angeblich neue Schüler sucht, beginnt unter ihnen ein Konkurrenzkampf um Schulplätze.

Das satirische Sozialdrama "It’s my Life - Çaba, die Chance" ist eine der Überraschungen unter den vielen Veranstaltungen der Wiener Integrationswoche. Am Mittwoch feierte es seine Premiere in Dschungel Wien und am 23. Juni wird es auch im Burgtheater zu sehen sein. Es ist eine Exkursion in die Lebenswelt jugendlicher Migranten. Wie sie ihr Dasein hier in Wien erleben - in der Schule, unter Freunden und zu Hause -, das kann man in kurzweiligen, humorvollen, teils auch tragischen Szenen erfahren, die durch schmissige Tanz- und Musikeinlagen unterbrochen werden.

Blick von innen

Manche Konflikte wirken in ihrer Darstellung stark zugespitzt, doch die Perspektive ist so authentisch wie möglich: Es sind die Jugendlichen selbst, die dieses Stück geschrieben haben und aufführen. Auf der Bühne schlüpfen sie in die Rollen, die sie in ihrem wirklichen Leben spielen. Stück und Schauspiel sind gleichermaßen beeindruckend. Dabei stehen alle - mit Ausnahme eines Schülers aus Hollabrunn, der vor kurzem eingesprungen ist - zum ersten Mal auf der Bühne. So können sie erstmals ihr künstlerisches Können unter Beweis stellen. Entstanden ist das Projekt aus einer Kooperation zwischen der interkulturellen Autorentheaterinitiative Wiener Wortstätten und der BFI-Schule in der Margaretenstraße, deren Schüler auch daran teilgenommen haben. Verwirklicht wurde es unter der Leitung der Regisseurin Sandra Selimovic und der Autorin Ursula Knoll. Aus spontanen Improvisationen der Schüler zu bestimmten Themen, wie der Begegnung mit Diskriminierung im Alltag, entstanden Szenen, die schließlich zum Stück zusammengeführt wurden. Die Schülern hatten so die Möglichkeit, ihre Träume und Ängste selbst zu reflektieren.