Ihr Verein will Integration in neuer Weise behandeln. Warum?

Weil der jetzige Zugang nur problemorientiert ist. Ja, es gibt auch Hürden, aber wir wollen die Probleme als spannende Herausforderungen verstehen. Wir wollen Integration auf Wirtschaftspolitik fokussieren, denn ohne Zuwanderung läuft nichts mehr. Was wäre, wenn alle Zuwanderer gehen würden? Das AKH könnte zusperren und einige Industriebetriebe gleich mit. Unsere Botschaft ist: Österreich ist Zuwanderungsland - und das ist gut so.

In den 60er und 70er Jahren hat die Politik niedrig qualifizierte, billige Arbeitskräfte hergeholt. Von deren Kindern erwarten wir jetzt ein Qualifikationsniveau, das im Österreich-Durchschnitt liegt.

Und das wird ohne erheblichen Aufwand nicht gehen. Es braucht Maßnahmen, um diese Menschen in ihrer Ausbildung zu begleiten, damit sie für den Arbeitsmarkt fit sind und selbstbewusst auftreten können. Unser Bildungssystem müssen wir völlig neu konzipieren. Wir haben Schulen mit bis zu 99 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund und ein Schulsystem, das darauf nicht ausgerichtet ist. Dennoch haben es viele Kinder der zweiten und dritten Generation ohne Unterstützung bis zur Matura und Uni geschafft. Das sind Jugendliche, deren Eltern noch Hilfsarbeiter waren, die ihren eigenen Weg gegangen sind - über diese jungen Menschen müssen wir auch reden.

Was ist dran an dem viel zitierten Integrationsunwillen der türkischen Community?

Die Türken müssen immer für die Probleme herhalten, weil sie rein optisch stärker auffallen als Serben oder Polen. Und das ist auch eine Form von Rassismus. Türkische Zuwanderer kommen aus einer sehr konservativen Gesellschaft und stoßen in Österreich auf eine sehr liberale Gesellschaft. Das ruft Schwierigkeiten hervor, zumal sich die Politik um diese Menschen nicht gekümmert hat. Diese Menschen brachten ihre Kultur, individuellen Lebensweisen und Bedürfnisse mit. Diesen Umstand vergessen Politiker aber regelmäßig und wundern sich dann, wenn es mit der Integration nicht klappt. Wir sprechen ja von "Wirtschaftsflüchtlingen" und diese Menschen kommen nicht aus Jux und Tollerei nach Österreich, sondern um sich eine wirtschaftliche Basis zu schaffen und ihren Kindern ein besseres Lebensumfeld zu bieten.